Er hatte alles wie im Nebel an sich vorbeiziehen sehen; er hatte kein Ohr für den Lärm, kein Auge für das Getriebe, kein Wort für Estella. Alle Pläne für dieses Fest waren dahin. So vieles hatte er sich vorgenommen für diesen Abend; er wollte gerade heute das junge Geschöpf umgeben mit Frohsinn und Heiterkeit, er wollte ihr alles bieten, was in seinen Kräften stand, er wollte sie mit komischen Einfällen ergötzen, ihr Blumen schenken, interessante Künstler vorstellen, schöne Frauen zeigen – und mit ihr tanzen wollte er und fröhlich sein. Sie sollte ein rauschendes Künstlerfest erleben, das er ihr geboten.

Aber die Freude versagt so oft ihr Erscheinen, wo man sie recht vorbereitet erwartet hat.

An ihrem Aussehen war mit einem Mal all sein Vorhaben gescheitert. Nur das dumpfe, niederdrückende Bewusstsein eines hoffnungslosen Zustandes war über ihn gekommen.

War es die plötzliche volle Erkenntnis seiner Leidenschaft für das schöne Mädchen, als er es in seinem Liebreiz an der Pforte stehen sah?

Erschrak er über seine eigene Empfindung oder erschrak er für Estella?

Noch war es Zeit; noch konnte er fliehen. Ein heftiger Kampf war in ihm, sollte er sie freigeben, konnte er dies Opfer bringen, das ihm jetzt vor der Entscheidung übermenschlich gross erschien?

Konnte er entsagen – – herrschen über sich selbst? Held sein! Und das Nachschauen haben, wenn sie mit ihrem flüchtigen Schritt lachend von ihm gegangen wäre?

Ach, und er erbebte, wenn nur ein Laut ihres Lachens zu ihm herüberdrang. Es zog ihn zu ihr mit allen Fasern seiner unbändigen Natur.

Oder sollte er sie mit sich ziehen in heissem Geniessen einem dunkeln Schicksal entgegen? Sein Blut schlug dumpf an seine Ohren, nur mit äusserster Anstrengung konnte er sich der quälenden Aufregung erwehren, die bei diesem Gedanken sich seiner zu bemächtigen drohte. Wie das winkte, wie das lockte! Sein wildes Wesen brach aus allen Fugen. –

Hatte er denn ganz vergessen, was sie ihm einst bei den Ruinen sagte – dass sie klug festhalte an dem, was ihr gut sein würde im Leben? Dass sie ihren Kopf helle gelassen und wachend über die blinden Mächte gestellt habe?