Seine Blicke umschlossen sie fast unaufhörlich und alles was sie tat war von einem neuen, anderen Werte.
Auch sie vermochte sich nicht loszureissen von seinem Antlitz, in dem sie ein langsames Gesunden zu sehen wähnte – von diesen dunkelgrauen, innerlichen Augen, aus denen allmählich das Ruhelose, Zermarterte zu weichen schien.
Und wenn einmal durch eine Redensart oder irgend etwas Unvorgesehenes ein kleiner Rückfall zu bemerken war, so konnte sie ihn mit einem einzigen ihrer guten Blicke zurückrufen und in Dank und Freude bot sie ihm dann all die Herrlichkeiten ihrer schönen Seele. –
Von den Menschen hatte sie sich fast gänzlich abgeschlossen, sie war so gerne allein, dass sie erschrack, wenn die Gartentüre aufging und irgend ein buntes Kleid dahinter erschien, denn das war sicher jemand für sie.
Ihr Verhalten hatte dann auch etwas so Gezwungenes, ihr Lachen klang arm und notgedrungen, ihre Blicke waren so anderswo und in ihrer Unterhaltung lag nach jedem Satze etwas so Abschliessendes, zu Ende Gekommenes, dass mancher der Gäste plötzlich aufstand und sich verabschiedete.
Was war da sonst oft für ein heiteres Leben, wenn um die behaglichen Gartentische die jungen, fröhlichen Mädchen sassen und über ihre gegenwartsfrohen Gespräche weg, verstohlen in den Glanz ihrer Zukunft lugten. Da schien ein Bündnis der Jugend erstanden – im Sonnenschein – unzertrennlich – ohne Ende.
Aber so schnell schon sollte eine aus ihrer Mitte gehen – die Eine, die still anerkannte Seele des Kreises, die immer mit unsichtbaren Händen, ungewollt voll höheren Geistes allem das Gepräge verlieh.
Doch die Abschiedsgesänge, die der Geschiedenen erschallen wollten, mussten zerschellen an ihrer Unnahbarkeit und auch an dem Schrecken auferstandener, schnell um sich greifender Gerüchte in der kleinen alten Stadt.
Estella musste vieles ihren Händen entfallen sehen, aber es konnte ja nicht anders sein, sie empfing auch so überreich und all' das erschien ihr so unsäglich viel wertvoller, dass sie es geschehen liess. – –