Rasch betrat sie den Wald, um sofort weiterzuschreiten, vorbei an ihm, – den Onkel einzuholen. Makassy jedoch ging gleichen Schrittes mit ihr und behütete sie ängstlich, sie hier von irgend einem kleinen Abhang zurückreissend wie vor einem Abgrund oder ihr dort über eine harmlose Baumwurzel helfend, wie über das schwierigste Hindernis. Aber das konnte sie nicht freuen. War das wirklich nichts als Sorge um sie? Es geschah mit einer Heftigkeit, die ihr zu stark erschien für diese winzigen Gefahren. Warum tat er das?
Er wusste Antwort. Lust war es – – und Angst. Lust, sie zu berühren, Angst sie zu verlieren. Seine unglückselige Art liess ihn sie umlauert sehen von Gefahren. Er zitterte um sein junges Lieb, von dem er so viel erhoffte.
Erhoffte für sich. Selbsterrettung, Lust zum Kampfe mit all' dem Stagnierten, Verwesenden in ihm. –
Weiter gingen die Gedanken.
Sollte er wirklich das alles aufrütteln zum Leben, was so faul und träge, sterbend schon, in dem Satz des Bodens lag? War das nicht unbequem und ohne Freude?
Und weiter gingen die Gedanken.
Auferstehung! – Wie pathetisch für einen Makassy! – Mit neuem Hemdkragen und frischgeputzten Zähnen zum Halleluja singen – –
Aber hinter seinem zynischen Hohne lauerte die Furcht, ganz klein. Die wollte er nicht sehen. Ihm fehlte der Mut zur Reinheit, – er wusste nichts anzufangen damit. – Das war's. –
Indessen waren sie mit dem alten Brand zusammengekommen und unterhielten sich mit ihm. Estella schob ihren Arm in den seinen, obwohl er, nicht gewöhnt an Frauennähe, etwas steif in solchem Falle war und erst wieder doppelt herzlich wurde als sie ihn wieder freigab.
Aber sie hatte sich in den kurzen Augenblicken erholt an diesem Gleichmass, dieser Unerschütterlichkeit einer geklärten Natur. »So von einem Ruheplatz aus über das sturmgepeitschte Meer schauen,« dachte sie, »muss auch schön sein – aber inmitten der Wogen ....« Erschrocken über ihre eigenen Gedanken irrten ihre Augen zu Makassy hin. »Was er nur hat, – er wird immer seltsamer,« grübelte sie. »Er macht so müde, ich kann ihm kaum folgen, – ich werde den Boden unter mir verlieren – doch was liegt daran, wenn ich nur mitkomme – wenn ich nur mitkomme ...!«