»Steck' Dir die Blumen ans Herz, zerlege und zerfasere sie nicht!«

Inzwischen kam Brand zurück, – aber um gleich wieder umzukehren, als er hörte, der Maler habe sich anders besonnen und bleibe hier, »seine Arbeit nicht zu unterbrechen.«

»Es erscheint mir wichtiger, da zu sein«, sagte Makassy leichthin.

Seine Gewandtheit, der schnell veränderte Gesichtsausdruck und der so geschmeidig umspringende Ton seiner Stimme bedrückten manchmal ihren feinfühligen Sinn, auch jetzt. Aber schon wieder brannten seine Augen in den ihren – da gab es kein Besinnen mehr, sie musste mit ihm! Geblendet schloss sie die Lider und abwehrend wie in Not streckte sie beide Arme vor und rief:

»Ich will nicht in den Himmel schauen, wenn ich doch auf Erden bleiben muss.« –

Sie hatte Angst vor dem unheimlichen Glanz dieser Liebe; sie hatte Angst, sich nicht dahin erheben zu können, wohin sie diese Augen riefen.

»Was ist das Rechte?« frug sie ratlos und Niemand konnte es ihr sagen.


Nachmittags stand Estella am Fenster der Veranda des eleganten Hauses. Der Privatier Brand hatte es schon verstanden, sich sein Heim mit Geschmack und Wohlbehagen auszugestalten. Blank und schmuck stand es da im Sonnenschein und schaute hoffärtig über den Garten hinaus auf die breite, vornehme Strasse. Und manches Jüngere und ältere Mädchen blinzelte im Vorbeigehen ärgerlich hinein und dachte: »Recht albern ist er doch, der Herr Brand, dass er sich so allein in dieses hübsche Ding da setzt.«

Klematis und Jerichorosen kletterten in lustigen Gewinden tausendknöspig an der Veranda empor und die offnen Blumen webten weisse und violette Sterne dazwischen. Hinter den Blumenfenstern aber stand ein stilles Mädchenangesicht.