Estella wollte auf den warten, den sie heute Vormittag so zwiespältig verlassen hatte ..... aber ein anderer sollte ihm zuvorkommen, einer, der dennoch zu spät kam.

Von draussen herein winkte der mit steifer Zärtlichkeit und wie ein glückliches Kind schwenkte er jetzt mit dem Hute. So arm war das, so traurig.

Thieben wars, gerade, hochgewachsen, freudig – aber seine Bewegungen waren unbeholfen und hatten nichts von der wilden Grazie und der elastischen Sicherheit Makassys.

»Thieben kommt«, rief sie dem Onkel zu, der sich sogleich anschickte, ihm entgegenzugehen. Langsam kam auch sie hinterher und in seiner geräuschvollen Begrüssung konnte sie dem gefürchteten ersten fragenden Blick entkommen.

Des alten Brand überschwellende Liebenswürdigkeit machte den Forstmann unruhig und mit halbem Ohre hörte er die lauten Worte. Dann gingen die beiden Männer ins Haus, »um abzulegen und sich's heimisch zu machen«, wie Brand sagte.

Erleichtert sah Estella die beiden von dannen gehen und wendete den Blick jetzt nicht mehr ab von der Gartentüre, bis sie endlich den eiligen Schritt des sehnlichst Erwarteten vernahm. Es schien fast, als sei er sorgfältiger gekleidet als sonst – und es wollte eben ein Stück ihrer alten Heiterkeit losbrechen, als er schon verbeugend in nachlässigem Tone sagte, dass er sich mit dem Umkleiden verhalten habe und deshalb verspätet gekommen sei, denn er habe Farbenflecken an seinen andern Anzug gebracht.

Ihr Gesicht war weit offen; da stand schon wieder helllichterloh die Wahrheit, über die er so leicht hinüberkam, während ihr das nicht gelang, – auch wenn sie's versuchte. In den langen Jahren der Beachtung hatte sie sich breit gemacht und häuslich niedergelassen bei ihr und war herrschsüchtig geworden und unumgänglich.

Er schaute böse nach ihren Mienen und mit gesteigerter Übellaunigkeit zankte er über den ekelhaften, umständlichen Apparat, den man zum Ausüben der Kunst brauche, der ihm nächstens die ganze Malerei verleide und von den ungezählten grossen und kleinen Hindernissen überhaupt, die die Welt versperren und den Fortschritt hemmen. »Ketten, Knechtung überall« rief er zornig.

Ihr Schweigen reizte ihn – er trat nahe vor sie hin, tat ihr Gewalt an mit seinen wilden Augen, umschloss sie mit seinem ganzen heissen Wesen und frug schnell und erregt:

»Verstehst Du mich, kannst Du mich je verstehen?! ... Dass mir die Kraft geblieben ist zum Trotz, zum Zorn, zum Hass, dass ich verneinen kann und zerstören – wie reich bin ich!« Und sich noch näher zu ihr neigend, frug er bebend: