»Verstehst Du die Lust am Töten, Weib?«
Sie antwortete nichts und erschrocken schlüpfte sie hastig aus seinen schrillen Augen in das blasse, ruhige Tageslicht hinaus. Und er sah, wie sie da draussen das einfache Leben und Weben begrüsste und herzte. – –
Da liess er sie draussen bei den Blumen und Bäumen und gab sie frei – und kam dann selber zu ihr.
Er bat sie, Platz zu nehmen und malen zu dürfen. »Wollen wir fleissig sein, Estella!« sagte er schlicht. »Stelle Dich noch einmal mutig mit mir zur Arbeit – wie einst! Du kannst so tüchtig zugreifen.«
Sie setzte sich auf die Gartenbank unter die Haselnussstauden und errötete bis zu den Haarwurzeln, denn sie stand beschämt vor der Kraft ihrer eigenen Seele.
»Du köstlicher Mensch«, dachte er und konnte sich nicht trennen mit den Augen. So schlicht sass sie da mit ihrem lichtblauen Kleide – so einfach in ihrem Herzen – – so unberührt in ihrer Seele.
»Bist Du denn glücklich, kann es denn sein? Ich quäle Dich ja nur!« frug er bewegt.
Erfüllt, wunschlos sass sie da und hörte seine Worte.
»Du blühest immerfort aus Dir heraus, Estella«, setzte er hinzu.
Und sie atmete kaum vor Glück. Dann ging sie zurück zu all' den unvergessenen Stunden, die sie mit ihm gelebt. Was nur hatten sie an diesem stillen Platze alles zueinander getragen!