Am andern Morgen, schon ganz frühe, trieb es Makassy vor das rote Tor zu Brands Villa.

Da lag in keuschem Morgenschlummer das ganze ihm so teuer gewordene Besitztum. Durch den tauigen Garten lief – ach so wohlbekannt – der schmale, heckengesäumte Fussweg, der zu der schmucken Eingangspforte der Villa führte, die heute noch verschlossen und abweisend das behagliche, ruhende Haus beschützte.

Wie kam er nur aus weiten Fernen auf dieses verborgene Stückchen Erde, das da so wohlig und friedlich hinter der lauten, lärmenden Welt emporgeblüht war?

Die Blumen, die Hecken, die Bäume, das Haus selbst mit seinen leichten Giebeln und luftigen Schornsteinen, das hatte alles etwas so frisch Aufstrebendes – es wuchs aus der Erde und stieg unvermittelt zum Himmel auf. Da heraus war Estella geworden, da hinein war sie geschaffen – dort hätte er sie lassen sollen.

Aber er konnte nicht. Konnte nicht?

Jetzt – ein Augenblick des Mutes – drang er rücksichtslos in sich hinein und riss das letzte, verschlossene Tor vor seinem Innern auf und sah mit hellen verwegenen Augen hinein, – das verschob er immer und immer wieder, denn er fürchtete sich vor dem, was er sehen würde, – – – und es stand vor ihm mit unverhüllter Klarheit: Er wollte auch nicht. Da drinnen, da hatte er sich selber wieder gefunden. Das war doch eigentlich erst er selbst. Der Echte, Wahre, Sichere. Alles andere war ein künstlicher Zustand gewesen, ohne Lebensfähigkeit.

War es nicht am Ende komisch, wie er sich mühselig bückte nach der Waldquelle, um einen Schluck Wassers, er, dem man die schäumenden Becher kredenzt?!

Hastig drückte er auf die Klinke der Gartentüre, als wollte er eilends in diese schützende Umfriedung gelangen und fliehen vor sich selbst, vor dem Gespenst des Hohnes, das ihm so manchmal schon im Leben zerstörend über den Weg gelaufen war.

Und wie ein freundliches Wunder war es, als sich jetzt die schwere, eichene Haustür öffnete und warm und weich die geliebte, traute Mädchengestalt dahinter erschien und aller Qual mit einem Mal ein Ende machte. Von ihrem Gesichte hatte der junge Tag noch nicht so ganz Besitz ergriffen; es herrschte auf ihm noch unüberwunden die vergangene schwere Nacht.