»Ich komme nicht, weil ich mich schämte vor Dir, so ohne Willen zu sein,« antwortete sie.
Sachte hob er ihr Köpfchen in die Höhe und suchte ihre Augen. Mit Vertraulichkeit in Ton und Blick fuhr er fort:
»Estella, kann zwischen Dir und mir etwas sein, dass uns zu trennen vermag?«
Da geschah Unerwartetes.
Fast brutal rief sie vor sich hin, mit kaltem, hartem Gesichte:
»Wann soll ich kommen, – um Mitternacht mit den Dieben und Dirnen?«
Er horchte auf; – befriedigt glaubte er zu erkennen, dass sie unter seiner Macht litt und dies ein zorniges ohnmächtiges Wehren, der gequälte Aufschrei eines untergehenden eigenen Willens war.
»Komme, wenn es Abend ist!« sagte er jetzt. »Um 9 Uhr – – wie gleichgiltig kann es Dir sein, ob neben Dir ein Dieb geht oder ein König. Die eigene Majestät, Estella!!! Siehe, Du schütztest Dich einfach durch die Dunkelheit vor den Blicken der Menschen, die Dich doch nicht verständen, wenn Du ihnen auch sagtest, was für einen schönen Gang Du tust. Denn schön nenne ich diesen Gang zu mir. Er ist ein Darleben Deiner Liebe, das mit Überwindung geschieht. Also habe Mut und komme!«
Angstvoll abbrechend sagte sie: »Ich binde mich nicht .... ich binde mich nicht ....« und setzte sich hastig auf die Gartenbank, ihn damit zum Malen auffordernd.
Er selber wollte heute noch energisch vor seine Kunst treten, nachdem er auf Tage davon abgehalten werden sollte und folgte ihrer stummen Aufforderung.