Und dann musste er sich auch von dem jungen Weibe befreien – am Ende hätte er es erschreckt durch seine Eindringlichkeit und abwendig gemacht – und dazu bot die Arbeit die einzige Möglichkeit. –
Als er prüfend und vergleichend das Bild übersah, fiel ihm der starke Kontrast zwischen Porträt und Wirklichkeit auf.
Das eine ein lachendes, sorgloses Mädchengesicht, das andere ein innerliches, gedankenschweres Antlitz.
»Es stimmt nicht mehr, nicht wahr? Ich bin so nach und nach aus dem Lachen heraus- und in das Weinen hineingekommen,« sagte sie still und dachte:
»Da baut man sich in Jahren stolze Gedanken mit seinem Verstande auf, – es kommt ein einziger Sturm als Wandler aller Dinge. Denn die Gedanken waren nicht tiefgründig, weil nicht im Herzen, im eigenen Mark gewurzelt. Übernommenes – nicht Selbsterworbenes, aus sich selbst Gewordenes, mit eigenem Herzblut getränkt – darum hat sie alle der Sturm verweht.«
Er trat jetzt weit zurück von dem Bilde und betrachtete es gleichsam als Fremder. Es war nicht gut. Starr und steif wie eine Mauer waren das lachende Mädchen und die grünen Stauden in einander gemörtelt – und die ganze lichte, leichte Frühlingsseele lag darunter begraben. Träge, schwere Farben. Wie waren seine Bilder sonst oft aus einem Guss, voll rücksichtslosem Trotz und Mut. Aber hier war es, als hätte nicht einer gemalt, sondern viele, und keiner mit ganzer Kraft.
Allein selbst diese Erkenntnis konnte ihn heute nicht betrüben; er war zu voll der Erwartung auf morgen. Morgen – ja – –
Der Gedanke, dass dieses junge, reine, feine Mädchen zu ihm kommen würde, erregte ihn immer mehr. Dieses Vertrauen war doch ausserordentlich, nachdem sie ihn kannte und liebte.
»Ich will es Dir danken,« dachte er und kam sich vor wie ein seltener Mensch – – dann aber auf einmal gingen die guten schönen Gedanken ums Eck herum und kamen in eine andere Strasse und bekamen eine andere Richtung.
»Es wird das Vertrauen auf sich selber sein,« überlegte er, »dass sie mir in mein Haus kommt« und zwinkerte die Lider zusammen als wollte er diese neue, abkühlende Erwägung ungestört vor sich haben. Und kaum hatte er sie ins Auge gefasst, erschien sie ihm sympathischer, reizvoller, – weil kampftauglich ..... entbindend .....