Die Sammlung zum Malen war dahin. Estella erhob sich – abschliessend.
Es war nicht mehr das Alte. Es schien ihr vieles umgeworfen, was von jetzt an unbeachtet am Boden liegen würde. Schöne, innere Dinge von stillem, grossem Werte. Zertretene Blumen, über die man achtlos hinwegsteigen würde, einem gleissenden Ziele zu.
Sie bat ihn zu gehen und sich vom Onkel zu verabschieden. Schweigend schritten sie durch den Garten zurück ins Haus.
Ringsum Rosen. Von allen Stöcken und Stauden funkelten sie rot und leuchteten weiss und dufteten aus tausend Kelchen. Das Violett des Flieders war lange gegangen, auch die Flammen der Pfingstrosen waren erloschen. Das feine Gras des Rasens lag zum ersten Mal geschnitten in der Sonne und sein würziger Geruch mischte sich unter den Blumenduft. Winzige Äpfelchen, aus den Blüten geboren, lugten schon durch die Blätter der Obstbäume.
Die Verabschiedung von Brand war schnell erledigt; allzu grosser Trennungsschmerz verlängerte sie nicht. Die beiden Männer waren sich in den langen Wochen nicht um einen Schritt näher gekommen.
Makassy sagte nun zu Estella sehr vernehmlich: »Adieu und auf Wiedersehen, wenn Herr Brand wieder zurück ist,« und leise ..... so ein wenig leichthin ..... zwischen den Zähnen durch:
»Morgen um 9 Uhr.«
»Wie wenn das selbstverständlich wäre,« dachte sie zornig. Nichts erschien ihr überflüssiger und hätte ihr peinlicher sein können als diese Art routinierter Vertraulichkeit, die gar so gemütlich und zuversichtlich Arm in Arm mit ihr ging.
Und es fiel ihr auf einmal der Unterschied auf, der zwischen ihnen war. Sie erschien sich reiner, anders als er, fasste sich selber wieder ins Auge und fiel sich auf in ihrer Sauberkeit – sie lauschte sich nach – und fand sich beglückt und erleichtert dadurch selber wieder.
Als er schon längst gegangen war, hielt dieses Staunen über sich selber noch an. Das war ja noch die alte Estella mit dem klaren, hellen Kopfe, der sich so leicht und fröhlich trug!