Von Ferne hörte sie Stimmen. Als die näher kamen, sah sie, dass es Bekannte waren, einige ältere Frauen. Plötzlich blieben sie zaudernd stehen; erst unschlüssig, dann streckte die Eine den Arm vor, deutete auf die andere Strassenseite – und gleich darauf gingen alle drei unisono hinüber.
Estella wusste warum; sie lachte hart auf; es hatte ihr weh getan. –
Unter vielen bangen Gedanken schlich der lange, einsame Abend dahin und die Nacht, die schlafarme, traumschwere – bis der Morgen kam und mit dem erwachenden, wachsenden Tag auch die Sehnsucht wuchs und das Verlangen – – und sie erlöste aus ihren Zweifeln.
Als es Mittag war, stand ihr Entschluss fest. Sie wollte zu ihm!
Lächelnd verwarf sie ihre Ideen von der Selbständigkeit, die ihr gestern so grossartig und begehrenswert erschienen waren und von dem blassen Frieden. Es fiel ihr ein, wie er einmal scherzend sagte:
»Die wahrhaftige Liebe tritt auf zwischen 30 und 40 Jahren bei vorgerücktem Gehalte und Pensionsberechtigung.«
Dieser nichtssagende kleine Scherz hatte sie auf seine munteren Flügelchen genommen und aus den Sorgen fortgetragen.
Makassy hatte sein Atelier verwandelt und geschmückt wie für eine heimziehende Braut. Er konnte nicht genug ersinnen, es weich und warm auszugestalten, damit sich das scheue Mädchen heimisch fühlen möchte. Beim ersten und einzigen Gärtner der Stadt hatte er seltene, wertvolle Blumen bestellt, dass der sich tief vor ihm zur Erde neigte.
Zuletzt, als alles fertig war, übersah er prüfend den ganzen Raum und warf dann noch, um Erklärungen und Verstimmungen vorzubeugen, ein paar alte Briefe, die gerade so obenauf lagen, in den Ofen nebst einem kleinen, koketten Frauenschuh – – dem goldgestickten Atlasschuh einer bekannten spanischen Tänzerin – und zündete an – – – ein reizender Schuh, der da auf den züngelnden Flammen lag – – – ein feiner Fuss, der da mit der Spitze gerade ihm gegenüber stand, als käme er auf ihn zu – – – das Feuer leckte immer gieriger nach dem gleissenden Atlas – – er besann sich und zauderte – – der Schuh der Diega Felipa wars – der Diega Felipa mit dem braunen, prachtvollen Leib, von dem sie einmal – – damals!! – – in kühner Nacktheit bei einem ihrer wilden, rasenden Tänze die letzten Hüllen riss – dass die roten Schleierfetzen wie Blut aus ihren Händen quollen – wie herrlich das war!! – Unvergessen!!! – – – – – –