Jetzt traten ihr drei trübe Gestalten in den Weg und an diesen wohlbekannten Gesichtern glaubte sie zu erkennen, worin ihr Unrecht lag. Da stand ihr Vater und schaute sie an; gross und kummervoll. Er hatte einst zu der Mutter warnend gesagt:

»Bilde ihre Vernunft, es kommt eine kalte Zeit, in der sie not tut.« Und die feine, blasse Frau, die schon lange vor ihnen gegangen war, tat es – legte aber heimlich Rosen dazu.

Sie stand jetzt auch dabei und konnte nicht mehr lachen wie einst. Sie dachte an ihre Rosen und weinte.

Und der ehrliche alte Mann, der Thieben trösten gegangen war und dessen Vertrauen ihr so selbstverständlich zufiel, der war auch dabei und der Kummer schaute ihm aus allen Falten seines Gesichtes. Alle drei standen und sahen nach ihr mit traurigen Augen und schauten ihr nach und schüttelten die Köpfe.

Da riss sie sich los von allem, was sie beschwerte und zurückrief und stürmte weiter, vorbei an ihnen, an allem, an der ganzen schönen Vergangenheit vorbei.

Wie oft glitt sie aus auf dem holperigen Pflaster der alten Stadt und sah zusammenfahrend zu Boden – aber es schwammen nur dunkle Kreise und Flecken vor ihren Augen, die irre führten, wuchsen, gross wurden, bis sie erschrocken innehielt; und wenn ihr Blick dann angstvoll floh und aufflatterte an den steilen Wänden der Häuser, prallte er zurück von diesen dräuenden Mauern, die in düsteren Reihen zu beiden Seiten des Weges standen. Wie dunkle Klötze standen sie da – unheilbrütend mit unzähligen, schwarzen Fenstern, die lauerten wie falsche Augen.

Zischelte und tuschelte es nicht dahinter?

Wie erbärmlich erschien sie sich, dass sie vor irgend einem Hergelaufenen erschrecken musste –

Da drüben auf der andern Seite, da ging eine Dienstmagd – – hoch trug sie den Kopf, das durfte sie auch – – aber sie, Estella Brand, die zum Geliebten gehen wollte – –? Grossartiger hatte sie sich diesen Gang wahrlich gedacht. –

Und weiter hastete sie, an den drohenden, klotzenden Häusern vorbei – noch eine letzte Ecke, dann endlich musste sie am Ziel sein; – ihr Sinn spähte voraus: was wird werden?!