Ist so qualvoll der Weg zum Glück? –
Die Kniee schwankten, als sie endlich am Ziel war. Da schimmerten trübe die verhangenen Fenster des Ateliers – und das arme, verhetzte Auge sah den Vorhang sich bewegen – und die arme verhetzte Seele fühlte seine Nähe und eine heisse Sehnsucht schlug wie eine Woge über das Deck ihrer ausschauenden, schwankenden Gedanken und fegte alle Zweifel und Qualen fort. – –
In kindlichem Stolze, als zaghaft Gebende stand sie auf seiner Schwelle.
Er öffnete die Türe – und als er sie in all ihrem Reize, so fein und holdselig vor sich stehen sah, da zog er sie wortlos zu sich hinein .......
»Du Estella, Du – also doch!« schrie er auf und riss sie in einem Übermass von Entzücken an seine Brust, umschlang ihren Leib, presste ihn an sich als wollte er ihn nie wieder frei geben, legte beide Arme um ihren Hals und zerküsste das süsse Gesicht; Augen, Stirne, Wangen, den Mund, den herben, keuschen. Fast wurden ihr diese wilden Küsse zur Qual.
Dann nahm er sie wie berauscht in seine Arme und trug jubelnd die köstliche Last hinein in die Heimstätte seiner Kunst.
Sanft und vorsichtig wie ein unersetzliches, kostbares Gefäss, liess er sie aus seinen Armen gleiten und setzte sie vorsichtig auf einem Ruhebett nieder.
»Das ist alles für Dich, Du Heissgeliebte!« sagte er und deutete mit einer schenkenden Geberde rings um sich.
Estella sass wie in Betäubung. Glückselig hob sie ihr Antlitz und schickte ein dankbares Lächeln zu ihm hin; lange blieb ihr Blick in seinen Augen liegen.
Welche Macht zog sie zu diesem Manne hin?! Wie sie ihn liebte, wie seine Welt zu ihr herüberschimmerte mit all ihrer Lebenstollheit und Trunkenheit! Wie sich ihre junge Seele von Neuem auftat in Zukunftsglauben!