„. . . und die Menschen sahen, dass jede Schönheit, jede Liebe von den Göttern kommt, und wurden frei und kühn, und ihnen wuchsen Flügel.“
*
Schliesslich hatten Koka und Boba eine Loge zu „Samson und Dalila“ aufgetrieben. Aber die erste Aufführung wurde durch „Carmen“ ersetzt und Nata, auf deren Betreiben dieser ganze Theaterbesuch veranstaltet worden war, weil sie hoffte, Stroop auf neutralem Boden zu treffen, wurde fuchsteufelswild, wusste sie doch, dass Stroop diese allgemein bekannte Oper nicht ohne besondere Veranlassung besuchen werde. Sie trat ihren Platz in der Loge Wanja ab, jedoch nur unter der Bedingung, dass er nach Hause fahren sollte, wenn sie während der Vorstellung doch noch ins Theater käme. Anna Nikolajewna mit den Schwestern Speier und Alexej Wassiljewitsch fuhren in Droschken in die Oper, die jungen Leute hatten sich schon vorher zu Fuss dahin aufgemacht.
Carmen tanzte schon mit ihren Freundinnen bei Lilas Pastja, als Nata, gleichsam als habe sie die Eingebung gehabt, dass Stroop im Theater sei, in der Loge erschien. Sie war ganz in helles Blau gekleidet, gepudert und erregt.
„Nun, Iwan, du wirst dich drücken müssen.“
„Ich bleibe nur bis Aktschluss.“
„Ist Stroop hier?“ fragte Nata flüsternd Anna Nikolajewna, neben der sie Platz genommen hatte. Diese wies schweigend mit den Augen auf eine Loge, in der Ida Holberg, eine ältliche Dame, ein blutjunger Offizier und Stroop sassen.
„Das ist geradezu eine Vorahnung, geradezu eine Vorahnung!“ sagte Nata, ihren Fächer auf- und zuklappend.
„Armes Kind!“ seufzte Anna Nikolajewna.
In der Pause, als Wanja sich anschickte fortzugehen, forderte Nata ihn auf sie ins Foyer zu begleiten.