„Larion Dmitrijewitsch wird wohl bald kommen,“ meinte Wanja, wieder die Gedanken des Mädchens erratend, fast mit dem Ton des Beschützers.
„Haben Sie ihn gestern gesehen?“
„Weder gestern, noch vorgestern. Gestern fuhr er am Tage nach Zarskoje Selo, am Abend war er im Klub und vorgestern fuhr er auf die Wiborger Seite, ich weiss nicht wozu,“ berichtete Wanja ehrerbietig und stolz.
„Zu wem er wohl gefahren sein mag?“
„Ich weiss nicht, in Geschäften.“
„Sie wissen nicht?“
„Nein.“
„Hören Sie Wanja,“ begann das Mädchen, das Papiermesser betrachtend. „Ich bitte Sie, — nicht meinethalben allein, auch Ihretwegen, Larion Dmitrijewitschs wegen, im Interesse von uns allen drei, erfahren Sie, was dies für eine Adresse ist. Es ist sehr wichtig, sehr wichtig für alle drei,“ und sie reichte Wanja einen Zettel, auf den Stroop mit seiner grosszügigen weiten Handschrift geschrieben hatte: ‚Wiborger Seite. Simbirskaja Str. Nr. 36, Wohnung 103. Fjodor Wassiljewitsch Solowjew.‘
*
Niemand war sonderlich erstaunt darüber, dass Stroop unter anderen Interessen sich mit dem russischen Altertum zu beschäftigen begann, und dass sich bei ihm teils redselige europäisch gekleidete, teils alte ‚gottesfürchtige‘ in langen russischen Röcken steckende, aber ebenso gaunerische Händler mit Manuskripten, Heiligenbildern, alten Stoffen, imitierten Bronzen einzufinden begannen: dass er sich für alten Kirchengesang zu interessieren anfing, die Smolenski, Rasumowski und Metallow las, auf die Nikolajewskaja Strasse ging, um Kirchengesang zu hören und schliesslich unter Anleitung eines pockennarbigen Kirchenchorsängers begann altrussische Noten zu studieren. „Mir war diese Sackgasse des Weltgeistes ganz unbekannt,“ wiederholte Stroop, bemüht Wanja für seine neue Liebhaberei zu interessieren, der sich jedoch, zu seiner Verwunderung, gerade in dieser Richtung nicht so leicht begeistern liess.