„Wenn’s nicht zur rechten Zeit ist, dann ist es eben eine Prüfung für Sünden.“

„Da aber wurde bei uns“, mischte sich Iwan Ossipowitsch in die Unterhaltung, „ein Greis vom Hitzschlage getroffen, der niemand gekränkt hatte und gerade auf der Pilgerfahrt war, und doch hat ihn der Hitzschlag getötet. Wie soll man denn das deuten?“

Sergej triumphierte schweigend.

„So hat er eben für andre, nicht für seine eigenen Sünden gebüsst,“ entschied Prochor Nikititsch mit nicht ganz überzeugtem Ton.

„Wie ist denn das? Andre werden saufen und sich herumtreiben und der Herr wird, statt ihrer, schuldlose Greise totschlagen?“

„Oder — entschuldigen Sie den Vergleich — Sie zahlten Ihre Schulden nicht und mich würde man ins Loch stecken an Ihrer Statt; wäre das denn gut?“ bemerkte Sergej.

„Iss lieber deine Suppe, statt dummes Zeug zu schwatzen, warum und wozu! Selbst lebst du wozu? Du denkst von der Hitze, dass sie zu nichts da sei, und sie denkt vielleicht von dir, dass du, Sergej, zu nichts da bist.“

Nachdem man sich gesättigt hatte, trank man lange und schwerfällig Tee mit Äpfeln oder Eingemachtem. Sergej fing wieder an zu räsonieren.

„Oft ist es sehr beschwerlich, zu begreifen, wie was verstanden werden muss; nehmen wir ein Beispiel: ein Soldat tötet einen Menschen und ich töte einen Menschen; er bekommt das Georgskreuz dafür und mich schickt man nach Sibirien, — weshalb ist das so?“

„Wo sollst du das verstehen? Ich frage aber: es lebt ein Mann mit seiner Frau und ein Junggeselle hat ein Verhältnis mit einem Weibsbilde; mancher wird sagen, das ist ganz dasselbe, und ist doch ein grosser Unterschied. Worin besteht aber dieser Unterschied?“