„Das weiss ich nicht,“ meinte Sergej aufhorchend.
„Stellen wir uns vor: der erste Fall,“ sagte Prochor Nikititsch, als suche er nicht nur nach Worten, sondern auch nach Gedanken, „— der erste Fall: der Verheiratete hat nur mit seinem Weibe zu schaffen, das ist eins; das andere ist, dass sie still, friedlich miteinander leben, sich aneinander gewöhnt haben, und der Mann liebt seine Frau genau so, wie er seine Grütze isst und seine Leute schilt, jene aber haben nur Dummheiten im Kopfe, nur hi-hi und ha-ha, weder Beständigkeit noch Anstand; deshalb ist das eine Gesetz und das andere Sünde. Nicht in der Handlung liegt die Sünde, sondern in der Anwendung, das heisst, welche Verwendung eine Handlung findet.“
„Erlauben Sie, aber es kommt doch vor, dass auch ein Ehemann seine Gattin mit Beben des Herzens anbetet, und ein anderer hat sich an seine Geliebte so gewöhnt, dass es ihm einerlei ist, ob er sie küsst oder eine Mücke zerdrückt: wo soll man denn da unterscheiden, was Gesetz ist und was Sünde?“
„So etwas ohne Liebe zu tun ist nichts anderes, als unrein,“ warf Marja Dmitrijewna plötzlich dazwischen.
„Du sagst da ‚unrein‘, aber es genügt nicht, ein Wort zu wissen, man muss auch seine Kraft kennen. Es steht geschrieben: ‚unrein‘ ist ein Götzenopfer; Hasen essen zum Beispiel ist ‚unrein‘; jenes aber ist Sünde!“
„Nun hört ihr bald auf mit euren Gesprächen! Das gehört nicht vor Knabenohren,“ rief Arina Dmitrijewna.
„Nun, was ist denn dabei, sie können das schon selbst verstehen. Nicht wahr, Iwan Petrowitsch?“ wandte sich der alte Sorokin an Wanja.
„Was das?“ fuhr der auf.
„Wie denken Sie über das alles?“
„Wissen Sie, es ist sehr schwer, über fremde Angelegenheiten zu urteilen.“