„Wie denkt denn sie darüber, wie wird sie damit fertig?“
„Wer weiss, wie sie’s macht; sie betet viel und grämt sich um ihren Mann.“
„Ist ihr Mann schon lange tot?“
„Schon lange, an die acht Jahre, ich war noch ein ganz kleiner Junge.“
„Sie ist eine prächtige Frau.“
„Na ja, aber allzu viel begreift auch sie nicht,“ meinte Sascha, das Fenster schliessend.
*
Vor der Pforte machte noch ein Wagen mit Gästen halt; Arina Dmitrijewna, die sich fast gar nicht an den Tisch gesetzt hatte, lief hinaus, sie zu empfangen und man hörte im Stiegenhause Rufe und das Geräusch von Küssen. Im Saal, in dem zehn Männer beim Mittag sassen, war es heiss und geräuschvoll; die barfüssige Frosja, die Malanja zur Aushilfe genommen war, lief immer wieder mit einem grossen Glaskrug in den Keller und brachte ihn mit schäumendem Kwass gefüllt zurück. Im Zimmer, wo die Frauen Mittag assen, sass Marja Dmitrijewna auf dem Platze der Hausfrau, die von Tische zu Tische ging, um die Gäste zum Essen zu nötigen, in die Küche lief und die immer wieder vorfahrenden Gäste empfing, neben ihr sassen Anna Nikolajewna und Nata, weiter die fünf anderen Frauen, die sich mit bereits feuchten Taschentüchern den Schweiss vom Gesichte wischten, während immer noch eine Schüssel nach der anderen aufgetragen wurde, man trank Madeira und Naliwka, den zu Hause bereiteten Beerenlikör. Die Fliegen krochen in die geleerten Gläser, sassen in ganzen Haufen an den weissgetünchten Wänden und auf dem mit Brotkrumen besäten Tischtuche. Die Männer hatten die Röcke ausgezogen und sassen stumpf und laut lachend, plaudernd und rülpsend mit unter der Weste hervorgezogenen bunten Hemden um den Tisch.
Die brennenden Lämpchen vor den Heiligenbildern glänzten in der Sonne, die zur offenen Tür durch den gläsernen Prunkschrank in den Saal hineinschien und auch die gestrichenen Käfige im Nebenzimmer beleuchtete, in denen die Kanarienvögel, durch den allgemeinen Lärm erregt, schmetternd sangen. Immerfort mussten die Hunde hinausgetrieben werden, die sich vom Hofe hereinstahlen und die von Frosjas nacktem Fuss für einen Augenblick aufgesperrte, mit Gegengewichten versehene Tür schlug kreischend zu; es roch nach Himbeeren, Pirogen, Wein und Schweiss.
„Nun, sagen Sie selbst, ich schreibe ihm vor, mir telegraphisch nach Samara zu antworten und er lässt keine Silbe von sich hören.“