„Von wem sprachen Sie denn?“
„Von Larion Dmitrijewitsch.“
„Von Stroop?“
„Ja, . . . warten Sie, unterbrechen Sie mich nicht. Ich kenne Larion Dmitrijewitsch ausgezeichnet, ich habe ihn nach jenem unglücklichen Vorfall gesehen und ich bezeuge Ihnen, dass er daran ebensoviel Schuld trägt, wie etwa Sie, wenn ich mich zum Beispiel in den Fluss stürzen wollte, weil Sie blondes Haar haben. Natürlich ist es Larion Dmitrijewitsch höchst gleichgültig, was man über ihn spricht, aber er drückte mir sein Bedauern darüber aus, dass einige ihm teure Menschen ihre Meinung über ihn ändern könnten und unter anderen nannte er auch Sie. Behalten Sie das im Auge, sowie auch, dass er eben in München im Hotel ‚Zu den vier Jahreszeiten‘ lebt.“
„Ich verurteile Stroop nicht, aber seine Adresse brauche ich auch nicht, und wenn Sie hierher gekommen sind, um mir dies mitzuteilen, so haben Sie sich umsonst bemüht.“
„Mein Freund, hüten Sie sich vor Eigendünkel! Es sollte mir, dem alten Manne, einfallen, auf dem Wege von Petersburg nach Rom nach Wassilsursk zu kommen, um Wanja Smurow Stroops Adresse mitzuteilen?! Ich wusste überhaupt nicht, dass Sie hier seien. Sie sind erregt, Wanja, Sie sind krank, und ich zeige Ihnen als guter Arzt und Lehrer, dass Ihnen jenes Leben fehlt, welches sich für Sie in Stroop verkörpert, und nichts weiter.“
*
„Wie Sie schön gewachsen sind, lieber Wanja,“ sagte Sascha beim Auskleiden, die nackte Gestalt Wanjas betrachtend, der auf dem trockenen Sande stand und sich zum Flusse neigte, um Wasser zu schöpfen und sich den Kopf und die Achselhöhlen zu benetzen, bevor er ins Wasser ging. Wanja blickte auf das durch die auseinandergleitenden Kreise im Wasser bewegte Ebenbild seines hohen, geschmeidigen, von Bädern und Sonne gebräunten Körpers mit den schmalen Hüften und schlanken langen Beinen, die langgewordenen Locken über dem dünnen Halse, den grossen Augen im abgemagerten Gesicht und stieg mit stummem Lächeln ins kalte Wasser. Der trotz seines hohen Wuchses kurzbeinige, weisse und volle Sascha liess sich an einer tieferen Stelle ins Wasser fallen, dass es nach allen Seiten aufspritzte.
Dem ganzen Ufer entlang bis zur weidenden Herde badeten Kinder, die kreischend durch das Wasser oder am Ufer hinliefen, hie und da lagen Haufen von roten Hemden und Wäsche, und in der Ferne, höher den Fluss aufwärts, unter den Weiden auf dem saftig grünen gemähten Grase huschten zart rosa Körper von Kindern und Halbwüchslingen vorüber, an ein Bild des Paradieses in der Art Thomas erinnernd. Wanja fühlte mit fast leidenschaftlicher Freude, wie sein Körper das kalte tiefe Wasser zerteilte und in schnellen Wendungen, wie ein Fisch, die wärmere Oberfläche aufschäumen machte. Er war müde geworden und schwamm auf dem Rücken, ohne die Arme zu bewegen, und sah nur den in der Sonne leuchtenden Himmel, ohne zu wissen, wohin er getragen wurde. Er kam wieder zu sich, als die Rufe am Ufer lauter wurden, die sich immer weiter in der Richtung entfernt hatten, wo die Herde weidete und die Baggermaschine arbeitete.
Die Kinder eilten, im Laufen ihre Hemden anziehend, am Ufer entlang, und ihnen schollen Rufe entgegen: „Sie haben ihn, sie haben ihn, man hat ihn aus dem Wasser gezogen.“