„Den Ertrunkenen, der schon im Frühling ins Wasser ging; erst jetzt hat man ihn gefunden, er hat sich an einem Balken verhakt und konnte nicht zur Oberfläche aufsteigen,“ erzählten die laufenden und einander überholenden Kinder.
Vom Berge her kam, laut weinend, eine Frau in rotem Kleide und weissem Kopftuche gelaufen; als sie an die Stelle kam, wo auf einer Bastmatte die Leiche lag, warf sie sich mit dem Gesicht in den Sand und schluchzte, noch lauter wehklagend.
„Arina, die Mutter! . . .“ flüsterte es ringsum.
„Erinnern Sie sich, ich habe Ihnen seine Lebensgeschichte erzählt,“ wiederholte Sergej, der von irgendwoher aufgetaucht war, Wanja, der mit Entsetzen auf die aufgedunsene schleimige Leiche mit dem bereits formlosen Gesicht starrte, die nackt, bloss mit den Stiefeln an den Füssen im grellen Sonnenschein ekelhaft und fürchterlich inmitten der lärmenden neugierigen Kinder mit ihren zart rosa Körpern, die unter den offenen Hemden sichtbar waren, dalag. — „Es war der einzige Sohn seiner Mutter, wollte immer Mönch werden, dreimal ist er von Hause fortgelaufen, aber sie haben ihn immer wieder zurückgebracht: geprügelt haben sie ihn sogar, aber es half nichts; andere Kinder kaufen sich Pfefferkuchen, er gab alles für Kirchenkerzen fort; lief da so ein Weibsbild, so’n Ekel, ihm über den Weg, er verstand nichts, als ihm aber die Augen aufgingen, da ging er mit den Kindern baden und ertrank; er war nur sechzehn Jahre alt . . .“ klang Sergejs Erzählung, als spräche er unter dem Wasser.
„Wanja! Wanja!“ schrie durchdringend die Frau, die sich bald erhob, bald wieder sich in den Sand fallen liess, beim Anblick der aufgedunsenen schleimigen Leiche.
Wanja stürzte entsetzt den Berg hinan, er stolperte, zerkratzte sich an den Büschen und Nesseln, sah sich aber nicht um, als jage man hinter ihm her, und machte erst im Sorokinschen Garten halt. Hier war es still, die Äpfel schimmerten aus dem Grün der weit auseinander gepflanzten Bäume hervor, hinter der stillen Wolga dehnten sich die dunklen Wälder, im Grase zirpten Grillen, es duftete nach Honig und Frauenminze.
*
„Es gibt am menschlichen Körper Muskeln und Sehnen, die man nicht ohne Herzklopfen betrachten kann,“ fielen Wanja Stroops Worte ein, als er entsetzt beim Schein einer Kerze sein feines, jetzt schrecklich bleiches Gesicht mit den feinen Brauen und den grauen Augen, dem purpurroten Munde und dem lockigen Haar über dem dünnen Halse im Spiegel betrachtete. Er wunderte sich nicht einmal, dass plötzlich Marja Dmitrijewna zu einer so späten Stunde geräuschlos in sein Zimmer trat und leise, aber fest, die Tür hinter sich schloss.
„Was wird denn daraus werden? Was wird daraus werden?“ fragte er sie erregt. „Die Wangen werden einfallen und erblassen, der Körper wird aufdunsen und schwammig werden, die Würmer werden die Augen ausfressen, alle Gelenke des lieben Körpers werden auseinanderfallen! Und es gibt Muskeln, Sehnen am menschlichen Körper, die man nicht ohne Herzklopfen betrachten kann! Alles wird vergehen, verderben! Und ich weiss nichts, ich habe nichts gesehen, und ich will, ich will . . . Ich bin doch nicht gefühllos, bin kein Stein; und ich kenne jetzt meine Schönheit! Es ist schrecklich, schrecklich! Wer wird mich retten?“