Hinter dem Vorhang wurde wieder geflüstert; dann kam Pasqua mit verwühltem Haar, ohne Tuch und Mieder heraus, im Gehen ihren schmutzigen Rock zurechtrückend, hager und ungeachtet ihrer Jugend, so schrecklich alt, und zeigte schweigend auf den weissen, spitzenbesetzten Sonnenschirm mit einem unbestimmten gelblichen Muster und einem weissen Griff. Hinter dem Vorhang rief eine Männerstimme: „Pasqua, hörst du, Pasqua? Wird’s bald? Sind sie schon fort?“

„Gleich,“ antwortete das Weib mit heiserer Stimme und steckte sich, vor die Spiegelscherbe an der Wand tretend, die rote Nelke, die Orsini vergessen hatte, ins verwühlte Haar.

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Sie waren fast die einzigen im Theater, die mit ganzer Aufmerksamkeit Isoldens Ergüssen vor Brangäne folgten und fast nicht bemerkten, wie der König mit beiden Königinnen die Loge der Szene gegenüber betrat und sich, nachdem er dem Publikum, das ihn mit Rufen begrüsste, eine ungeschickte Verbeugung gemacht hatte, auf einen Stuhl an der Balustrade niederliess. Das sentimentale und harte Gesicht des kleinen Mannes mit dem grossen Kopfe und dem Schnurrbart hatte den gelangweilten Ausdruck eines von Geschäften in Anspruch genommenen Menschen. Obgleich es keine Pause war, war der Saal voll erleuchtet: die Damen in den Logen, in Décolleté und Halsschmuck, sassen fast mit dem Rücken zur Bühne und plauderten lächelnd; die Herren mit Blumen im Knopfloch, gelangweilt und korrekt, machten von Loge zu Loge Besuche. Es wurde Gefrorenes herumgereicht, und die älteren Herren sassen im Hintergrunde der Logen, in vor sich ausgebreitete Zeitungen vertieft.

Wanja, der zwischen Stroop und Orsini sass, hörte nicht das Flüstern und Geräusch ringsumher und war ganz vom Gedanken an Isolde in Anspruch genommen, der aus dem Rauschen der Blätter Hifthörner zu erklingen schienen.

„Das ist die Apotheose der Liebe! Ohne Nacht und Tod wäre es das höchste Lied der Leidenschaft und die Konturen der Melodie und der Szene selbst, wie rituell sind sie, wie ähneln sie ergreifenden Hymnen!“ sagte Orsini zu Wanja, der bleich geworden war.

Stroop sah, ohne sich umzukehren, durch das Opernglas zur gegenüberliegenden Loge hinüber, wo nahe nebeneinander der blonde Künstler und eine kleine Frau sassen. Sie hatte rabenschwarzes gewelltes Haar. Ein Paar riesige farblose Augen starrten aus ihrem ungeschminkten Gesicht mit dem grossen tiefroten Munde und dem vulgären Kinn, das von grenzenloser Entschlossenheit sprach. Sie trug ein grellgelbes goldbesticktes Kleid und war prätentiös auffallend. Und Wanja hörte mechanisch den Berichten von den Abenteuern dieser Veronica Cybò zu, in denen viele Namen von Männern und Weibern genannt wurden, die sie alle zugrunde gerichtet hatte.

„Eine Nichtswürdige ist sie, diese Canaille,“ hörte er Ugos Stimme, „ein Typus aus dem XVI. Jahrhundert.“

„Bah, das ist viel zu vornehm für sie! Einfach eine schmutzige Dirne,“ und aus dem Munde der korrekten Herren, die gierig zum gelben Kleide und den lasterhaften Nixenaugen hinüberäugten, kamen die gröbsten Bezeichnungen.

Wenn Wanja sich, selbst mit einer ganz harmlosen Frage, an Stroop wandte, wurde er rot und lächelte und es machte den Eindruck, als spräche er mit einem Freunde nach einem stürmischen Zwist oder mit einem Rekonvaleszenten, der eine schwere Krankheit überstanden.