„Höre, Fedja,“ sagte Stepan Iwanowitsch zärtlich, „meinst du wirklich, daß mir das Ganze nicht selber nahegeht? Aber du setzt dich der größten Gefahr aus ... laß es ... ich bitte dich!“
Mishujew stand lange regungslos auf der Stelle, dann drehte er sich rasch um und ging hinaus. Er fühlte, wenn er nicht zu ihnen hinausginge ... ihm war, als hörte er Gewehrsalven, Aufschreie, sah Blut. Er warf den schweren Kopf in den Nacken und trat, voll eines dumpfen, toten Gefühls in der Brust, als ob er allein ein schweres Kreuz auf sich nähme, auf die Steinstufen heraus.
Lärm und weißes Licht umbrausten ihn. Tausende Gesichter wandten sich erwartungsvoll ihm zu; viele fast froh. Er fing an zu sprechen.
Alles, was dann geschah, kam wie ein plötzlich ausbrechender Taifun heran. Er hörte seine ersten Worte fast gar nicht, bemerkte aber sofort, wie schnell sich die Gesichter um ihn veränderten. Im Augenblick war der Ausdruck des Vertrauens und der Freude verschwunden; die Mienen wurden ganz andere. Mishujew fühlte es; er wurde plötzlich inmitten dieser ungeheuren Menge einsam. Wurde einsam und allen fremd. Er versuchte noch, sich aus der Leere, in die er geriet, aufzuraffen, aber seine Worte hatten schon die Kraft verloren. Das Band, das so aufrichtig und fest schien, zerriß in einem Augenblick, als wenn es niemals existiert hätte. Und vor Mishujew standen nur noch Feinde.
Später erinnerte er sich noch, daß ihm ein Drechsler, ein ihm bekannter kleiner, schwarzer Mann mit durchbohrenden Augen, zu erwidern begann:
„Genug der Lügen!“ schrie er. „Sie haben jetzt Ihr wahres Gesicht gezeigt ... Sie sind auch so einer, für den zuerst seine Millionen Rubel kommen, und dann wieder seine Millionen Rubel, und dann erst die Millionen Menschen, die von Ihnen nichts als ihr Recht gewollt haben. Wir verlangen das unsere! ... Schießt auf uns, schießt ... tut Eure Sache! ... Henker!“
Totenblaß versuchte Mishujew zu sprechen, fand aber keine Worte mehr; plötzlich packte ihn ein Angstgefühl, wie wenn man im Traum in einen entsetzlichen Abgrund fällt.
Jemand riß ihn am Arm, er stieß ihn instinktmäßig von sich und wollte die Stimme erheben, aber diese Bewegung wurde als Drohung aufgefaßt. Man packte ihn noch stärker am Arm, dann an der Brust, ein Schneeball flog ihm scharf ins Auge, und unter furchtbarem Gebrüll verschwand er, kopfüber und totenbleich in der Menge. Instinktmäßig riß er seine rechte Hand los und schlug aus seiner ganzen Riesenkraft jemand über den Schädel. Für einen Augenblick öffnete sich vor ihm leerer Raum, und er sah rotköpfige Kosacken in den Hof einreiten und Nagaiken in der Luft schwirren. Von furchtbarem Entsetzen gepackt, stürzte er ihnen entgegen, aber von hinten fiel man über ihn her, und er sank nieder, den schwarzen Drechsler mit dem zerschlagenen, roten Kopf nach sich ziehend.