Die drei Damen Parchomenkos, alles üppig blonde, phlegmatische Schönheiten, stiegen lachend und wie im Spiele aus dem Automobil.
„Fjodor Iwanowitsch, warum sind Sie denn heute so mürrisch?“ Parchomenko strotzte vor Freude.
„Er ist jetzt immer mißgestimmt,“ antwortete Maria Sergejewna für ihn, als wäre sie selbst daran schuld, und berührte Mishujews Gesicht mit einem schüchternen Blick.
„Sie sollten ihn doch dazu verleiten, ein Auto zu kaufen, — das bringt ihn augenblicklich in andre Stimmung. Aufblühen wird er,“ lachte laut Parchomenko. „Mit dem Auto kuriere ich mich jetzt in allen Nöten. Ehrenwort, — kein Scherz!“
Die Damen gingen zu viert voran, allgemeines Aufsehen erregend. Parchomenko rannte neben ihnen her, steckte sie mit seiner lärmenden Freude und Sicherheit an, wobei er ihnen fortgesetzt vor die Füße lief; nur Mishujew schritt schwer hinterdrein. Während sie mitten durch die festlich gekleidete Menge, die wie ein sonnendurchwärmter Bienenschwarm summte, gingen, blickte Mishujew aufmerksam und lange in die Gesichter, die ihnen entgegenkamen, als suchte er aus ihnen etwas herauszulesen.
Sie begegneten wieder dem schwindsüchtigen Popen und dem weißblonden Menschen im blauen Hemd. Diesmal ging ein hochgewachsener, hagerer, ernster Mann neben ihm. Mishujew kannte ihn; nun erinnerte er sich auch an den blonden. Der Ernste war ein bekannter Schriftsteller, der andere ein junger, schwindsüchtiger Dichter.
Der Schriftsteller warf einen flüchtigen, unfreundlichen Blick über die Gesellschaft und wandte sich ab. Der Dichter sagte ein paar Worte zu ihm, und in dieser Stimme wie in dem zornigen Blick des anderen lag ein spöttisch-feindseliger Zug gegen Mishujew, Parchomenko und ihre gutgepflegten, schönen Damen.
Bald von der Sonne überstrahlt, bald im Schatten der Schirme, zogen in bunter Reihenfolge männliche und weibliche, hübsche und häßliche Gesichter vorüber. Ein lebendiger Kaleidoskop, der sich in jedem Augenblick veränderte, rollte vor ihren Augen ab, und Mishujew verfolgte mit gewohnheitsmäßiger, krankhafter Unruhe dieses einförmige, eigentümliche Spiel: er sah, wie alle die gleichgültigen menschlichen Augen, die flüchtig über die herankommenden Gesichter glitten, plötzlich auf ihm haften blieben und den Ausdruck stumpfer Neugierde annahmen. Das war alles so gewohnt und eintönig, daß es Mishujew mitunter vorkam, als habe die ganze festliche Menge nur ein einziges — ein flaches Gesicht, das ihm über alle Maßen widerwärtig war.
Die Damen und Parchomenko lachten laut auf, Mishujew ging hinter ihnen, und das Gefühl der Einsamkeit, die ihm längst zur Gewohnheit geworden war, lief unablässig neben ihm her. Er wünschte, fortzugehen, wo nichts und niemand um ihn wäre — weder Sonne, noch Menschen, noch Lärm. Dort stehen bleiben und lange, sehr lange ganz still für sich stehen. — —
Der freudestrahlende Parchomenko wandte sich um und rief ihm etwas zu. Irgend eine Abgeschmacktheit, ohne Sinn und Witz, aber sonderbar aufdringlich durch das zur Schau getragene Selbstbewußtsein, daß alles, was er sprach, schön und äußerst interessant sein müßte.