Lande ergriff leise Tkatschows Hand.

„Wozu sagen Sie das? ... Das ist doch nicht wahr! ... Sie sind doch unglücklich und erbittert, und gestohlen haben Sie nur, weil Sie wenig Mitleid und Liebe in Ihrem Leben gesehen haben. Ich bin zu Ihnen ohne jeden Nebengedanken gekommen, mit offenem Herzen, mit aufrichtigem Wunsch, Ihnen durch irgend etwas zu helfen ... Warum verletzen Sie mich also?“

Tkatschow blickte scheu auf Landes Hand, die ihn weich und vertrauensvoll bei den schwarzen Fingern hielt, und errötete plötzlich.

„Niemanden brauche ich ...“ erwiderte er leise aber trotzig und zog unauffällig seine Hand zurück. „Das ist alles dummes Zeug ...“

„Warum?“ fragte Lande mit schmerzlich erhobenen Augenbrauen.

Tkatschow wandte ihm seinen Kopf zu und lächelte verächtlich und angestrengt.

„Ihre naive Frage bringt mich in eine dumme Stellung,“ versetzte er in hochtrabendem Ton, durch den aber deutlich die Erbitterung klang. „Übrigens, aus welchem Grunde sollte ich mich denn mit Ihnen einlassen!“ Er zuckte mit den Schultern und wandte sich zum Fenster, wo Tauben girrten, ohne daß man sie hinter dem Gitter und den Scheiben vernehmen konnte.

„Da ... ich füttre sie, meine Freunde!“ sagte Tkatschow nach dem Schweigen und lächelte verlegen mit einem Winkel seiner dünnen, abgemagerten Lippen.

„Die Tauben? ... Ja! ...“ Lande war über dieses Lächeln erfreut und lächelte selber. „Gewiß sind sie Freunde! Es ist doch nicht wahr, daß es nur ewige Feindschaft und die Notwendigkeit der Vernichtung gibt ... Eine solche Notwendigkeit kann es nicht, darf es nicht geben! ... Man muß im Gegenteil zu schützen suchen ... alle den Einzelnen und der Einzelne alle ... und Freunde sein, sogar Brüder! Ich glaube, wissen Sie, daß jetzt alles falsch ist, daß alles nicht so ist, wie es sein sollte. Man muß alles verbessern, abschließen, das ist eben die Aufgabe des Menschen! ... Ich glaube ...“

„Ich verstehe Ihre schönen Phrasen nicht!“ versetzte Tkatschow trotzig und düster, aber, wie es Lande vorkam, absichtlich schroff.