„Das wäre doch wirklich ein quälendes Vergnügen ...“ sagte er. „Eine richtige, ruhige Freude an Grausamkeit kann auch der verstockteste Bösewicht nicht haben, wenn er nicht gerade geisteskrank — also — eigentlich kein Mensch mehr ist. Jeder Mensch muß stets etwas lieben, bemitleiden, sich für etwas aufopfern; stets wird er sich einen Gott schaffen, weil Gott in seiner Seele lebt. Und nicht er ist daran schuld, wenn das Leben sein Gefühl nicht auf den richtigen Weg führt ... Das hängt nur von den äußeren Umständen, von der Richtung ab, in der das Leben zufällig fließt. Auch hier ... Molotschajew! — Er liebt leidenschaftlich seine Kunst, die Schönheit; ich weiß, er würde zu jedem Opfer für sie bereit sein. Folglich liegt in ihm die Fähigkeit zu lieben — und eine große Fähigkeit — verborgen. Ein Zufall, ein anderer Antrieb — und seine ungeheure Liebe fließt in eine neue Form, und aus diesem ... von unserem Standpunkt aus scheinbar beschränkten hohen Künstler wird ein Mann der großen Tat, ein Menschenfreund ... alles!“
„Sie glauben an die Menschen!“ sagte leise Marja Nikolajewna.
„Ja, ich glaube!“ antwortete Lande fest.
„Was gibt Ihnen diesen Glauben?“ aus irgend einem Grunde schämte sie sich sofort ihrer Frage.
„Der Glaube an Gott!“ antwortete Lande im gleichen Ton, als ob er nur fortzufahren hätte. „Ich glaube, ich empfinde es, daß der Geist Gottes, den Gott in das Chaos warf, um sich ähnliches zu schaffen, durch den Menschen hindurchgeht, damit er Gottes Wunsch erfülle, hindurchgeht, damit die große Einsamkeit Gottes erleichtert sei ... Ich kann es nicht ausdrücken, aber ich glaube an den Menschen, als den Anfang des Zukünftigen ... Ich glaube!“
Lande verstummte in starker Erregung und lächelte nervös, seine feuchten, glänzenden Augen leuchteten, er knackte die mageren, schwachen Finger durch.
Seine Aufregung teilte sich eigentümlicherweise dem Mädchen mit.
„Aber der Tod?“ fragte sie mit unklarer Beängstigung, schon dadurch ihre eigenen Gedanken beantwortend.
„Fürchten Sie den Tod?“ fragte Lande statt einer Antwort.
„Ich fürchte!“ aber als Marja Nikolajewna ihre gedehnte Stimme vernahm, mußte sie selbst lachen.