Sie hatten sich langsam den dunklen Streifen einer dicken Fichtenschonung genähert; jetzt hallte Marja Nikolajewnas Lachen klingend von dort wieder.

„Nein, Sie fürchten ihn nicht!“ auch Lande lachte freudig. „Und es ist auch nicht möglich, den Tod an sich zu fürchten ... Nichts in der Welt hat Angst vor dem Tode, als der Mensch allein, und auch er fürchtete nicht den Tod, sondern die Ungewißheit. Die Furcht vor dem Tode — das ist die Müdigkeit des schwachen Geistes, der in der ohnmächtigen Anstrengung erschöpft wurde, vorzeitig in das Geheimnis einzudringen. Ich glaube überhaupt nicht, daß es einen Tod gibt!“

Sie kamen in die harzduftende Dämmerung der ersten, grünen Fichtenstämmchen. Zwischen ihnen war es ganz dunkel, als ob es schon Abend wäre. Nadelzweige wiegten sich leise über dem grünen Gras am Wege. Irgend ein Vogel flatterte lautlos von Wurzel zu Wurzel; ein Zweig brach, der Wind strich durch.

„Sie glauben also an ein Leben nach dem Tode?“ fragte Marja Nikolajewna mit kindischer, inkonsequenter Neugierde.

„Ich fühle nur, daß ich nicht spurlos vernichtet werden kann ...“ antwortete Lande, gar nicht erstaunt über ihre Frage. „Was es aber sein wird, das weiß ich nicht. Überlegen und vorstellen kann sich der Mensch nur etwas, das in den Grenzen seines gegenwärtigen Daseins, seiner irdischen Vernunft und Empfindung vorhanden ist. Man kann sich nicht ewiges Leben vorstellen, weil es außerhalb unseres körperlichen Lebens liegt. Unser Körper erfaßt es nicht, er zwingt es zu sich, reduziert es bis auf seine Größe ... Man kann es nur ahnen.“

„Das verstehe ich nicht ...“ erwiderte das Mädchen zaghaft. „Wenn es existierte, so wäre es sonderbar ...“

„Nein, nicht sonderbar. Was sollte daran sonderbar sein, daß Sie nicht imstande sind, sich eine große Ahnung zu erklären, da wir doch selbst Gefühle, die in unserem Körper spielen, noch nicht erklären können ... Was ist denn Liebe? ... Und sie kommt Ihnen gewiß nicht sonderbar vor? ...“

„Liebe? Ja, die Liebe! ...“ Sie wiederholte das Wort leise für sich.

„Ewigkeit und Unendlichkeit, das sind die größten Eigenschaften des Geistes Gottes ...“ sprach Lande verträumt. „Noch so weit ist der Mensch von der Aufnahme dieser letzten Geheimnisse entfernt ... Und wenn einmal ...“

„Wer ist das?“ rief Marja Nikolajewna erschrocken, und blieb stehen.