Von der Landungsbrücke rollte ihm schon eine ununterbrochene Flut von Droschken entgegen, als wenn sie irgendwo einen Damm durchbrochen hätten. Gesichter, Hüte, Pappschachteln und Koffer zogen vorüber; unbekannte neue Augen leuchteten auf und verschwanden. Der Fahrweg der Promenade begann unter dem ununterbrochenen Lauf der Räder lebendig zu zittern und zu dröhnen. Mishujew sah sich alles mit Widerwillen an.

Wieviel da sind! ... Wer hat sie alle in die Welt gesetzt! dachte er angeekelt. Vor ihm erhob sich ein riesiger, trüber Leib, den ein unwiderstehlicher, ewiger Drang bis an den Himmel aufgebläht hatte, und er sah aus ihm Millionen abscheulicher Geschöpfe, Gott weiß wozu, hervorkriechen, durchschlüpfen, sich schütteln, über die Erde wimmeln — von niemandem begehrt, niemanden interessierend.

Lärm und Dröhnen erschütterte die Strandpromenade wie ein Lawinensturz, und verstummte dann in der Ferne, in den Straßen der Stadt, ebenso schnell, wie es entstanden war.

Immer seltener und seltener rollten die Droschken vorbei; jetzt wurde wieder das gleichmäßige, nachdenkliche Atmen des Meeres deutlich, als stünde man an einem öden Ufer. Mishujew schritt noch einmal bis zum Ende der Straße hinunter, an dem ein Kaffeehaus, das mit rotbefezten, lärmenden Türken vollgepfropft war, aufleuchtete, und kehrte wieder mechanisch um.

In der Nähe des Stadtgartens kamen ihm häufiger die üblichen Spaziergänger entgegen. Ein Offizier mit einem Dämchen, das die engumkleideten, biegsamen Schenkel beim Gehen wiegte, zwei oder drei satte Herren mit blutig flimmernden Zigarren zwischen den Zähnen, schlenderten vorüber. Dann umwehten ihn ein paar Backfische mit einem zarten Aroma von Parfüm und dem leichten Hauch, der ihren Röcken entströmte; ihr Gelächter und Geschwätz betäubte ihn für einen Augenblick. Plötzlich sah er den alten General mit dem schmalen Backenbart und den ungeheuerlich breiten, roten Hosenstreifen kurz vor sich. Neben ihm ging ein hübsches Mädchen; ihre zarte Röte und die keusche, strenge, vorschriftsmäßige Tracht des Mädchengymnasiums fielen unwillkürlich sofort ins Auge.

Als der General Mishujew erblickte, geriet er in Hast. Er begann sofort, ihn zu grüßen und ihm zuzulächeln, während er sein rechtes Bein etwas unbeholfen hinter sich herschleppte. Sonst fürchtete er Mishujew und kam nicht an ihn heran, heute aber wünschte er sehr, vor seiner Tochter mit der Bekanntschaft eines leibhaftigen Millionärs zu renommieren, so daß er es wagte. Aus seinen Augen und selbst aus seiner Stimme strahlte kleinlicher, naiver Stolz; ungezwungener, als es nötig wäre, sagte er:

„Ah, Fjodor Iwanowitsch! Gehen spazieren. Was machen Sie?“

„Guten Abend,“ sagte Mishujew rücksichtsvoll und doch mit einer für ihn selbst unmerklichen Nuance von Hochmut und lüftete nachlässig den Hut.

„Gestatten Sie ... hier ... das ist meine Tochter Njurotschka,“ stellte der General vor. In seiner Stimme lag Schüchternheit, die aber nicht durch die Person Mishujews, vielmehr durch etwas anderes in ihm hervorgerufen schien.

Mishujew drückte ein kleines, bebendes Händchen. Das ganze Mädchen war zittrig wie ein Vorfrühlingstag. Als sie ihre feuchten, dunklen Augen auf Mishujew richtete, lächelte er ihr unwillkürlich zu. Auch sie lächelte.