„Wohin? ... Das heißt, in welchem Sinne ... von den Menschen weg, oder nur irgendwohin, von hier weg?“ fragte Schischmarjow mit mißtrauischem Zweifel.
Lande schwieg nachdenklich eine Weile, die Augen zum Himmel gerichtet und still die Augenbrauen hochgezogen. „Von hier fort, irgendwohin, wie auch von den Menschen ... Nicht für immer: nur eine Zeitlang ... Mir kommt öfters der Gedanke, daß es eigentlich jeder Mensch nötig hätte, sich hin und wieder von allem zu entfernen, in eine Wüste meinetwegen, zu gehen ... Ich habe mir immer gedacht, was für ein riesiges Ding doch das Leben ist und wie leichthin und einfach wir herantreten ... Deshalb glückt es wahrscheinlich den Menschen so selten. Es wäre im Grunde nötig, daß sich jeder Mensch in einer gewissen Periode seiner Entwicklung zurückzieht und sich für eine Zeitlang allein auf sich konzentriert.“
„Da hätten Sie sich nur zuerst zurückziehen sollen!“ fiel ihm Molotschajew grob ins Wort; sein ganzes Gesicht verzerrte sich plötzlich vor Wut. „Es wäre wahrhaftig das Vernünftigste gewesen.“
Lande blickte ihn lange eindringlich an. Dann seufzte er, zuckte die schmalen Achseln und sagte: „Ich weiß, daß ich Sie störe. Mir tut es leid.“
Marja Nikolajewna sah rasch mit einem halben Blick zu ihm hin. Ihre Hand, die an einem zerzausten Strauß halbverwelkter, blasser Blumen zerrte, hielt inne, geriet aber gleich wieder in nervöse, hastige Bewegung.
„Mir tut es auch sehr leid!“ versetzte Molotschajew in seinem gewöhnlichen, schroffen Ton.
Gerade in diesem Augenblick bog ein langer Mensch plötzlich vom Wege ab, ging über das Gras und schwang, nachdem er mit zwei sonderbar schleichenden Schritten hinter Molotschajews Rücken gekommen war, blitzschnell einen langen Knüppel in die Höhe und schlug ihn dem Künstler scharf über den Schädel.
Entsetzen, scharf wie eine Messerschneide, zuckte allen durchs Hirn. Marja Nikolajewna schrie gellend auf, sprang, sich in ihren Rock verwickelnd, zum Abhang und hielt sich kaum am Rand zurück, ganz herübergebogen und das Gesicht in den Händen vergraben. Schischmarjow ließ die Mütze fallen und stand hilflos da. Lande sprang in die Höhe, ergriff Ssonja bei der Hand; das Mädchen richtete sich auf, und öffnete weit die Augen, aus denen wilde Neugierde und ein gewisses gieriges Gefühl strahlte. Molotschajew verlor nicht einen Moment die Ruhe. Sein schönes Gesicht zog sich in Schmerz und Schreck und schüttelnder Wut zusammen. Rasch und gewandt fing er mit der linken Hand den Stock auf, riß so scharf nach unten, daß Tkatschow beinahe vornüber gefallen wäre und hieb dann mit ihm, die Zähne verbissen, quer auf Tkatschows Gesicht, auf den Kopf und Hände ein.
Der vor Schmerz und ohnmächtigem Haß fast wahnsinnige Tkatschow taumelte, ließ den Hut fallen und suchte vergebens, sich mit den Armen zu decken. Man sah, daß von ihm Blut spritzte.
Der vierte dieser scharfen, furchtbaren Hiebe traf schon auf Landes Arm. Die Arme wie im Anfall einer sonderbaren Krankheit gegen Molotschajew ausgestreckt, ganz blaß, rief er fest und befehlend: „Nicht mehr ... weg mit dem Stock!“