Er deckte Tkatschow mit seinem Körper.

Eine Sekunde lang sah ihm Molotschajew mit toller Wut in die Augen. „Was ist da noch gefällig! — Endlich!“ sagte er heiser, den Stock krampfhaft gesenkt und in der Faust gepreßt, — plötzlich schwang er ihn kurz und hieb, eklig klatschend, Lande über die Backe.

Lande taumelte und wurde entsetzlich blaß. In seine Augen traten helle, dicke Tränentropfen, und sie öffneten sich so weit, daß sich hinter ihrem feuchten, leidenden Glanz sein ganzes Gesicht auflöste.

„Nun, mag es denn sein ... ja ...“ er ließ die Worte von den Rändern der feuchten, zitternden Lippen gleiten und schaute Molotschajew unverwandt gerade in die Augen, regte sich aber nicht und wandte sich nicht ab. Mit blinder, sinnloser Brutalität holte Molotschajew, nachdem er den Stock beiseite geworfen, aus, und schlug mit der linken Hand zu, machte dann einen Schritt vorwärts und schlug zum dritten Mal. Die letzte Ohrfeige klatschte noch stärker, deutlich und flach. Lande taumelte zurück, stolperte über die Bank und stürzte schwer, häßlich, von der Seite auf sie, mit den Beinen in die Höhe schlagend.

Molotschajew drehte sich jäh um, schleuderte Tkatschow mit furchtbarer Kraft beiseite und ging mit raschen, festen Schritten, ohne jemanden anzublicken, fort.

Was dann geschah, war wie ein schwerer Fiebertraum: alle schrieen auf einmal auf und stürzten im Haufen auf Lande zu. Tkatschow, mit dem Ausdruck des Entsetzens und Flehens auf dem schwarzen, düsteren Gesicht, setzte ihn mit bebenden Armen aufrecht hin. Marja Nikolajewna küßte seine blassen, zitternden Finger. Schischmarjow versuchte ihm die Mütze aufzusetzen und brüllte ganz zusammenhanglos irgend etwas vor sich hin. Ssonja umschlang ihn mit dünnen, durchsichtigen Armen. Sie taumelten am Rand des Abhanges, kopflos wie ein Schwarm unterm Schuß aufgeschreckter Vögel hin und her.

„Herrgott! was war das nur?“ fragte Marja Nikolajewna alle mit grenzenlosem Entsetzen und kroch an Landes Füße heran, mit dem unbewußten aber grellen Gefühl der Schuld, mit unendlicher Begeisterung und Mitleid, Liebe und Empörung. Ihr schönes Gesicht war verzerrt, die Haare auseinander gefallen, der Hut auf den Rücken gerutscht, der graue Rock wand sich hilflos im Staub.

„Iwan Ferapontowitsch ... verzeihen Sie ... Verzeihen Sie mir!“ stammelte Tkatschow.

Lande wandte ihnen sein im Augenblick angeschwollenes Gesicht zu, mühte sich, zu lächeln, faßte sie bei den Händen, streichelte sie unbewußt mit seinen zitternden und schwach gewordenen Fingern. Seine Augen waren dick geworden, aus Nase und Mund troff Blut, an der Schläfe war Erde und zertretenes, grünes Gras kleben geblieben.

„Das macht nichts ...“ sagte er, indem er mit Mühe die aufgedunsenen Lippen bewegte. „Er wollte mich nicht treffen ... Es wird ihm später selbst leid tun ... Ich gehe zu ihm ... warten Sie ...“