„Warum ‚hatten‘? Sind Sie denn nicht mehr auf dem Gymnasium?“ fiel ihr Mishujew erstaunt ins Wort und sah sie lächelnd an. Ihm war es angenehm, daß sie schon eine „Erwachsene“ sein sollte.

„Nein. Ich habe es hinter mir ... schon lange ...“ erwiderte das Mädchen leise.

„Ach, was denn ‚lange‘!“ der General lächelte liebevoll, „es sind im ganzen drei Monate!“

„Mir kommt es vor, als wäre Gott weiß wie viel Zeit vergangen,“ erwiderte das Mädchen noch leiser und fügte kaum hörbar hinzu: „so viel Wasser ist verflossen! ...“

„So—o!“ sagte Mishujew mit komischer Wichtigkeit, und plötzlich kam ihm der Wunsch, sich einfach zur Seite zu wenden und ihr einen Kuß auf die Backe zu drücken. Einen festen, reinen und vollen Kuß.

Er blickte sie aufmerksamer an und sah, daß sie ihm anfangs viel jünger, als sie in Wirklichkeit sein mochte, vorgekommen war. Von der Seite aus sah er die weiche Linie ihrer Brust, die dicht neben ihm abgerundete Schulter und den Arm, den der Stoff des Kleides fest umgab.

„Und was wird nun? Auf die Hochschulkurse?“ fragte er zärtlich.

„Ich weiß nicht ...“ antwortete das Mädchen kaum hörbar und senkte den Blick.

Der General krächzte und fuhr ungeschickt über seinen Backenbart.

Für eine Minute entstand Schweigen, und Mishujew fühlte, daß er eine wunde Stelle berührt hatte. Sie taten ihm plötzlich leid, und ihm kam der fröhliche Gedanke, daß sich alles eigentlich mit einem Schlag in Ordnung bringen ließe. Aber ihm war es peinlich, davon anzufangen, und um das Schweigen zu verscheuchen und das Mädchen aufzuheitern, begann er wieder von seinen Lehrern zu erzählen.