„Wir hatten einen Mathematiker ... so dick und majestätisch wie der vortragende Rat im Ministerium. Die ganze Stunde hindurch pflegte er aus einer Ecke in die andere zu gehen und seine Lebensweisheit zu verzapfen. Dabei war sie in einem einzigen Satz erschöpft. Ja, so schritt er durch das Klassenzimmer, immer aus einer Ecke in die andere, drehte die Finger vor dem Bauch und sprach, doch äußerst gravitätisch: ‚Es gibt Phi—lo—sophen ... es gibt Männer der Ar—beit ... und es gibt Lieblinge des Schicksals! ...‘“

„Sie, Fjodor Iwanowitsch, hat er sicherlich den Lieblingen des Schicksals zugeteilt,“ lächelte einschmeichelnd der General und trippelte kurz mit den Füßchen.

„T—ja ... Ein Mann der Arbeit konnte ich jedenfalls schwerlich genannt werden.“

„Und ein Philosoph?“ bemerkte das Mädchen neckisch, wurde aber sofort verwirrt.

Mishujew lachte und fühlte wieder den Wunsch, sie zu umarmen und zu küssen, unbedingt auf die Backe und so mit vollem Klang!

Aber das Mädchen senkte wieder den Blick. Immer noch drückte ihr ganzes schlankes Figürchen leise Trauer aus.

„Ja, ja ...“ Mishujew beeilte sich zu antworten. Ihn hielt der launische Wunsch fest, daß sie nicht wieder schweigsam und traurig werden dürfe.

„Wir hatten auch einen Lehrer der Geographie. Hoch gewachsen, hager wie ein Stock; wir nannten ihn nur ‚die Makkaroniröhre‘. Der erklärte uns immer das Sonnensystem mit verteilten Rollen: er selbst war die Sonne, ich stellte gewöhnlich die Erde vor, ein kleiner Judenjunge — den Mond usw. Die Sonne hockte auf den Fußspitzen in der Mitte der Klasse und drehte sich langsam um sich selbst, die Erde lief um die Sonne im Kreise, der Mond sauste aus allen Leibeskräften um die Erde herum ... Anfangs ging alles gut, aber bald kamen wir durcheinander, und es trat eine Weltkatastrophe ein: der Mond rannte in die Erde hinein, Mars stieß Jupiter mit dem Kopf vor den Bauch, und dieser majestätische Planet setzte sich plötzlich auf die Sonne und verursachte ein vollkommenes Chaos!“

Das Mädchen warf den Kopf in den Nacken, und ihr Lachen klirrte so sorgenlos heiter durch die Luft, daß Mishujews Herz vor Freuden mitklang. Er wünschte, daß sie weiter lache und begann von allem möglichen zu plaudern, wie es ihm gerade in den Kopf kam, und obgleich das, was er erzählte, äußerst unbedeutend war, brachte er es dennoch mit solcher Komik heraus, daß es allen außerordentlich lustig schien. Das Mädchen lachte nun ununterbrochen, warf den Kopf zurück und zeigte ihr reizendes Kinn. Dem General traten vor lauter Lachen Tränen in die Augen, und alle Passanten sahen sich nach den lärmenden Drei um.

„Ich hatte einen bekannten Diakon, in Ssamara ... Er war ein toller Säufer! Kommt da jemand irgend einer heiligen Handlung wegen zu ihm. Da tritt ihm die Diakonin entgegen und erklärt geheimnisvoll: Vater Diakon könne jetzt nicht empfangen! ... — Warum denn, — ist er voll des Spiritus ...? — Jawohl, ja — — ganz voll! — — — Ah, so! und der Besucher entfernte sich teilnehmend.“