„Voll des Spiritus!“ Das Mädchen lachte und blickte Mishujew nun wieder gerade ins Gesicht, mit einem Ausdruck, als erwartete sie von ihm noch eine Geschichte, die am allerlustigsten wäre.
Der General aber schleppte sich hinterher, hinkte und schwieg. Er war mit einem Mal verstummt, und in seinem gerunzelten Gesicht spiegelte sich irgend eine Unstimmigkeit wieder. Er erschrak über die unerwartete Fröhlichkeit und Einfachheit Mishujews. In seinem Innern zu allertiefst seiner Seele begann sich trübe Befürchtung zu regen. Er hatte ihr noch keine Form gegeben; es war nur die schüchterne und ohnmächtige, vogelartige Angst um sein reines, zartes Mädchen.
Diese reichen Herrschaften ... zuckte es durch seinen Kopf: für den da wäre es nur eine Kleinigkeit ...
Die Vorstellung davon, was Mishujew mit seinem kleinen Mädchen anstellen könnte, malte sich immer deutlicher vor ihm aus, war aber so grauenhaft, daß der General sich fürchtete, sie in Gedanken festzuhalten.
„Njurotschka! ... Es ist wohl schon Zeit — nach Hause ...“ rief er sie ungeschickt an.
Das Mädchen sah sich verwundert um.
„Es ist noch früh, Papachen!“
Der General murmelte etwas verwirrt vor sich hin. Sein Gesichtchen war gerötet, die Äuglein liefen ganz sinnlos umher. Mishujew sah sich ebenfalls nach ihm um und begriff instinktiv die feinsten Windungen seines Denkens. Etwas Bitteres, Altgewöhntes regte sich in ihm. Zuerst war es schmerzlich, aber gleich stieg irgendwoher, aus dunkelster Tiefe, der scharfe versteckte Gedanke auf: Geld geben, auf die Hochschulkurse bringen ... In gebrochenen, aber blitzgrellen Zickzacklinien wand sich ihr blendender, junger, zum ersten Male entblößter Körper durch seine Vorstellung; zitternde, naive Ausbrüche noch unerfahrener Wollust ... Und dann die tolle, feurige Hingabe. — Unwillkürlich blickte er das Mädchen von der Seite an, und sie schien bereits nackt vor ihm zu stehen; er sah ihre runden, bloßen Arme, die kleine, elastische Brust, die weichen Haarlocken auf ihrer runden Schulter. Etwas schlug, wie eine heiße Welle, an seinen Kopf, aber er kam sofort wieder zu sich.
Das Mädchen schaute auf und fragte etwas.
„Ja,“ antwortete Mishujew. Er fühlte eine große Freude, daß diese alpdrucksartige Vision verschwunden war. Er hatte den leidenschaftlichen Wunsch, die Befürchtung des Generals, die er erriet, zu verscheuchen, wieder schlicht, ebenmäßig, freundlich zu werden.