Er hat ja recht, wenn er mich fürchtet, dachte er schwermütig. Aber auch ich habe keine Schuld ... so würde jeder andere an meiner Stelle handeln. Was soll man tun ...
Mit großer Anstrengung gelang es Mishujew, die wieder heranrückenden, gierigen und beherrschenden Gedanken beiseite zu drängen; doch wurde ihm traurig, hoffnungslos traurig zumute, als befände er sich einer Macht gegenüber, die stärker ist, als sein Widerstand.
Und Wort für Wort kam er, von diesem traurigen Bewußtsein und dem warmen Gefühl für das reine zarte Mädchen ergriffen, auf sein Leben zu sprechen.
„Wie glücklich Sie sind,“ plapperte naiv Njurotschka. „Überallhin können Sie reisen, alles sehen, erfahren! Wir sind jetzt zum ersten Mal in Jalta und fühlen uns schon wie im Paradies!“
„Darin liegt ja gar nicht das Glück,“ erwiderte Mishujew traurig: „leben kann man überall; Menschen leben am Nordpol wie in Kamschatka, in der Sahara und den Pinski-Sümpfen ... Und selbst, die dort leben, können sich dazu erheben, sich eine eigene Poesie zu schaffen. Leben kann man auch ohne Palmen, ohne Wärme, ohne große Städte. Das ist alles Unsinn ... reine Formsache. Nur eins kann der Mensch nicht entbehren — Menschen. In der Einsamkeit wird der Mensch stumpf, schwach, wird ohnmächtig und unnütz ...“
„Und mir scheint, ich könnte auch in einer Wüste leben, wenn nur Blumen, die duften und Vögel und das Meer ...“
„Das scheint nur so,“ lächelte Mishujew, „uns Menschen sind komplizierte und tiefe Gefühle gegeben ... Und um sie mit Leben zu erfüllen, ist eine Umgebung erforderlich, die ebenso kompliziert, fein und tief wäre. In Himmel, Bäumen und Meer allein kann sich eine Menschenseele nicht auslösen. Man kann noch soviel reisen und sehen ...“
„Ja. Aber Sie haben doch immer Menschen um sich soviel Sie wollen ... Sie können doch soviel Gutes tun,“ bemerkte Njurotschka schüchtern. Und ehe er noch etwas erwiderte, fühlte sie, wie sich ihr Herz leise zusammenzog.
Mishujew verzog seine Mundwinkel ein wenig; dadurch machte er auf sie plötzlich einen überaus plumpen, krankhaften Eindruck.
„Ah!“ sagte er bitter, von einer plötzlichen heißen Aufwallung fortgerissen: „Gutes! wenn aber jeder, der zu einem kommt, nur um dieses Guten willen kommt ...“