„Aber nicht jeder!“ erwiderte das Mädchen mit eigentümlich mitleidsvoller Hast.

Mishujew schwieg. In seiner Seele ging etwas Sonderbares vor: er war auf sich äußerst ärgerlich, daß er so redete, daß er irgend einem Mädchen gegenüber seine Seele entblößte; ein kühler Stolz preßte seine Lippen, und dennoch wollte er sich gerne, ohne daß die rechte Gelegenheit war, einfach aussprechen. Dieser Wunsch siegte.

„Vielleicht wirklich nicht jeder,“ sagte er mit Überwindung. „Aber wenn die meisten Menschen nur kommen, um Geld zu holen, so scheint es immer, daß einer, der einfach, ohne Hintergedanken, mit offenem Herzen kommt, sich nur verstellt, und im Innern seiner Seele dasselbe will. Daß auch er nicht gekommen wäre, wenn er nicht Geld finden würde. Und da wird man im Voraus argwöhnisch ... Manchmal überläuft einen solche Bitterkeit, daß man alles von sich abstößt, grob und brutal wird ... Das ist entsetzlich, wirklich!“

Etwas zitterte wieder in Mishujews Stimme, er kniff die Lippen ein und verstummte. Wieder wurde es still und das Getöse des Meeres schien dem Mädchen einsam und traurig. Sie wurde nachdenklich, und tausende zarte, liebevolle Worte schwirrten durch ihren Kopf. Eine mütterliche Zärtlichkeit erfüllte ihre mädchenhafte, naive Seele, sie wünschte ihn zu liebkosen, zu trösten.

Der General schaute verwundert von hinten auf die riesige gebückte Gestalt Mishujews. Anfangs glaubte er ihm nicht, er wurde sogar von stärkerem trüben Schrecken erfaßt: ihm kam es vor, als wollte sich Mishujew gerade in Njurotschkas Augen als Unglücklichen aufspielen. Aber später schämte er sich dieses Gedankens und bedauerte Mishujew auf seine besondere Greisenart — mit väterlicher Zärtlichkeit:

„Mir scheint ...“ begann das Mädchen leise.

Doch die Stimmung war bei ihm schon verflogen. Das kühle Denken bekam Oberhand. Mishujew tat seine Offenherzigkeit vor solchen im Grunde belanglosen Leuten, wie irgend einem General a. D. und seiner Tochter, einer Gymnasiastin, die er sich einfach kaufen konnte, leid. Zwar wurde ihm dieses Gefühl selbst peinlich und er wurde sich seiner Grobheit bewußt; er zeigte sich aber trotzdem plötzlich hochmütig und kühl.

„Nein, das sind alles Bagatellen ...“ fiel er ihr kühl ins Wort und fing unvermittelt an, von etwas Unnötigem und Uninteressantem zu sprechen.

Njurotschka blickte ihn rasch an, aber Mishujews Gesicht blieb regungslos und reserviert. Sie wurde plötzlich blaß, richtete sich mit einem Male auf und starrte vor sich hin, während ihre Finger unter der trüben, schmerzlichen Empfindung, verletzt zu sein, erzitterten. Gleichsam, als wäre sie von jemandem entkleidet und verhöhnt worden, sie und alles, was sie mit reiner, inniger Zärtlichkeit in sich entdeckt hatte.

Der General versuchte Mishujew zu trösten, aber er benahm sich ungeschickt, so daß er selbst verwirrt wurde und nur irgend welchen Unsinn murmelte.