Für eine Sekunde ergriff Molotschajew plötzlich ein warmes Gefühl; er wünschte einfach, kräftig die gereichte Hand zu drücken; aber schon im nächsten Augenblick wurde in seiner Seele wieder alles durcheinander geworfen. Er witterte in der Handlungsweise Landes eine Beleidigung und zog sich ganz zusammen; sein schönes Gesicht drückte ablehnend höfliches Lächeln aus.

„Ist mir sehr angenehm ...“ näselte er und drückte mit einer Grimasse der übertriebenen Achtung Landes Hand.

„Nehmen Sie bitte Platz! Wie steht es mit Ihrer Gesundheit?“ fragte er, während er absichtlich mit seinem Blick die weiße Binde um den Kopf streifte.

Lande berührte die Binde und sagte schlicht:

„Nicht sehr gut. Sie haben mich furchtbar zugerichtet.“

Molotschajew verlor plötzlich den Halt. Eine tiefe Röte trat ihm ins Gesicht. Er versuchte, sich zu beherrschen und erwiderte in dem früheren, beleidigend höflichen Ton:

„Es tut mir wirklich äußerst leid ...“

Lande sah ihm mit einem klaren und ruhigen Blick in die Augen.

„Nein, warum denn?“ erwiderte er still. „Ihnen tut es gar nicht leid — Sie hatten doch den Wunsch, mich so zu schlagen, daß es schmerzt.“

Ein schweres, trübes Gefühl überwältigte Molotschajew. Als ob ihn etwas zu Boden gedrückt hätte. Das undeutliche Bewußtsein, daß nicht Lande lächerlich, daß vielmehr er selbst lächerlich, lächerlich und kleinlich sei, rieselte mit schmerzlicher Kälte durch sein Herz.