Er seufzte tief und bekreuzigte sich.
„Ich habe von ihm einen Brief erhalten,“ sprach Lande, indem er seinen Kopf vertrauensvoll zu dem Popen herüberbeugte, „einen furchtbaren Brief! ... Man sieht, daß ihn die letzte Verzweiflung gepackt hat, von der nichts in der Seele zurückbleibt als Haß und Wut ... Ich werde Ihnen diesen Brief zeigen!“
Lande zog hastig den Brief aus der Tasche der Studentenlitewka hervor.
Der alte Pope sah auf das Papier, redete aber kein Wort.
„Wieviel Schmerz, Einsamkeit, Gram er trägt, er ...“ sagte Lande mit trauriger Anspannung. „Wieviel Verzweiflung und Unglauben! ... Grauen packt einen, wenn man diesen Brief liest ... Grauen und Mitleid bis zu Tränen! Sie verstehen, welchen Schmerz ein Mensch erleiden muß, wenn er im äußersten Unglauben stirbt! Kein Wort gibt es für diese Qual! ... Hier, lesen Sie doch den Brief!“
Der Pope sah wieder den Brief an, streckte aber seine Hand nicht danach aus.
„Ich habe das Gefühl, die feste Überzeugung,“ fuhr Lande fort, während er noch immer den Brief, ohne es zu bemerken, in der ausgestreckten Hand hielt, „daß es ihn bedeutend erleichtern würde, wenn ich zu ihm kommen könnte. Ich fühle, daß ich es kann, weil ich den Glauben daran habe. Er wird fühlen, daß er nicht mehr einsam ist, und das allein wird schon genügen ... Nur habe ich kein Geld für die Reise,“ fügte er plötzlich mit kindlichem Lächeln hinzu.
Er blickte dem Popen ins Gesicht, und mit einem Male kam es ihm vor, als seien diese gutmütigen Äuglein — keine Äuglein, sondern tiefe Löcher, die nur infolge der rosigen und strahlenartigen Runzeln gutmütig schienen, während in ihrer Tiefe etwas Böses auf der Lauer liegt. Mit instinktivem Schreck verstummte er und sah verwirrt den Popen an.
Der Pope schwieg und sah ihn ebenso an. Es war still, hinter des Popens Rücken fiel lautlos kreisend ein goldenes Blatt zur Erde nieder.
„Hier, lesen Sie doch bitte den Brief durch!“ stammelte Lande eilig und streckte dem Popen das gefaltete Blatt Papier bis zu den Knieen entgegen.