Das Mädchen errötete und ihre Augen wurden traurig, ratlos.
Den ganzen Weg schwieg sie und hörte darauf, wie der Kies surrend unter ihren Füßen knirschte. Ihre Seele war von einem verwirrten Gefühl erfüllt, als wäre irgend ein Glück abgerissen; ihr Mitleid mit Mishujew wurde noch stärker.
IV
Die Nacht trennte das Meer von der Erde. Hinter der grell beleuchteten steinernen Brüstung der Strandpromenade stand die dichte Finsternis wie eine Mauer; ein unbegreifliches, unaufhörliches Leben schien sich in ihr versteckt zu halten. In dem unsichtbaren freien Raum bewegte sich etwas, stieß schwere Seufzer aus, plätscherte, als ob es schluchzte, schwoll an, flaute ab, und schwoll dann wieder irgendwo in der schwarzen Ferne, die mit dem schwarzen Himmel zusammenfloß, von neuem an. Dort in der Finsternis, vor den menschlichen Augen verborgen, tobte unaufhörlich ein ewiger geheimnisvoller Kampf, als arbeiteten Millionen Wesen unter dem Schutz der kurzen Nacht daran ihr grausames düstres Werk zu vollenden. Die Strandpromenade, die von den blassen Lampen der Laternen mit totem Licht begossen wurde, war von durchsichtiger aufhorchender Leere umgeben. Die Bäume verschwammen zu einer dunklen eintönigen Masse, und nur dicht neben den Lampen schimmerten hell, aber leichengrün einzelne erstarrte Blätter. Von Zeit zu Zeit wuchsen irgendwo einsame Schritte deutlich heran, im Lichtkreise zeichnete sich scharf ein schwarzer Schatten ab, wuchs, dehnte sich aus, bog sich über die Brüstung zum Meer hinab und verschwand in der Finsternis ebenso schnell, die deutlich verhallenden Schritte in die Ferne tragend.
Mishujew ging allein; sein Kopf schien ihm unendlich groß und sein Herz leer.
Das rastlose Meer lärmte in ewiger Trauer; über den Bergen funkelten große Sterne, und die Seele Mishujews erfüllte ein Gefühl, als stehe er über einer Welt, in der alles längst abgestorben war, jedes Leben für immer geendet hatte, und das Auge nur tote Schneefelder und ferne Sterne, die von der Kälte ewigen Schweigens angeschmiedet sind, erblickt.