Schweigsam ging Mishujew bis an das Ende der Straße, und sank in seinem ganzen Wesen mit jedem Schritt mehr und mehr zusammen. Mit einem Male fiel ihm ein, wie oft er schon von einem Ende bis zum anderen gegangen war; er kehrte um. Und als sich aus den Scheiben eines Restaurants grelle Lichter über seinen Weg schoben, überschritt er die Straße und öffnete mechanisch die große schwere Tür.
Man muß etwas zu sich nehmen ... ich bin einfach schlaff geworden, dachte er gleichgültig.
Hinter der blendenden Spiegelfläche des Fensters erglänzten lebende Lichter, schwankten schwarze Silhouetten, schimmerten die scharf geschnittenen grünen Blätter der Zimmerpflanzen; weiße Tischtücher strahlten wie Bergschnee.
Sowie Mishujew die Tür geöffnet hatte und der Portier von seinen massigen Schultern den Überzieher abnahm, schlug ihm von allen Seiten verworrener Stimmenlärm, Gelächter und funkelndes Gläserklirren entgegen, es betäubte ihn nach der Stille der Nacht. Er wurde sofort erkannt. Bald hier bald dort tönte durch Gepolter, Klang und Getöse sein Name, eilig und fast warnend ausgesprochen. Einige Frauengesichter begleiteten ihn mit neugierigen Blicken, während er sich langsam zwischen den Tischen vorwärts schob. Neben dem Buffet rief ihn ein Bekannter, der Moskauer Schriftsteller Opalow, an.
„Fjodor Iwanowitsch!“ Er schien erfreut und erhob sich eilig; sein Gesicht, mit feinen Gesichtszügen und Augen, schmal und eigenartig, wie bei einer japanischen Puppe, fing mit dem Ausdruck lebhaftester Freude und völliger Zutraulichkeit zu lächeln an. „Fjodor Iwanowitsch, setzen Sie sich zu uns heran! ... Kellner, einen Stuhl her!“
Am Tisch saßen drei Herren: die zwei Schriftsteller, denen Mishujew am selben Tage auf der Promenade begegnet war, und ein aufgedunsener, kahlköpfiger, etwas unsauberer Mensch in Leinwandhosen, die für seine Beine zu eng waren, mit einer auffallenden entweder amerikanischen oder einfach clownmäßigen Weste.
„Sie sind wohl noch nicht bekannt?“ fragte Opalow, als sich alle langsam Mishujew entgegen neigten: „Tschetyrjow, ... Marussin, ... Podgurski ...“
„Ehemaliger Schriftsteller!“ fügte der aufgedunsene Herr hinzu mit einer Stimme, die die eines Hansnarren — vielleicht aber auch seine gewöhnliche sein konnte.
Mishujew nannte kurz und flüchtig seinen Namen. Es war ihm stets unangenehm, sich mit seinem Namen vorzustellen: es kam ihm kindisch vor, einen Namen herzusagen, den alle gewöhnlich schon vorher wußten; sich aber gar nicht vorzustellen, wäre auch nicht angegangen. Das erregte ihn.
„Sie kennt ja jeder, Fjodor Iwanowitsch!“ lachte Opalow; es war schwer zu unterscheiden, ob er es gutmütig oder mit gehässiger Ironie meinte.