Opalow reichte ihr Wein und ließ dabei plötzlich eine elektrische Taschenlampe unter dem Kelch aufleuchten. Hellgoldene Funken durchzuckten den gelben Saft; der Sekt lachte wie lebendig. Es war sehr hübsch; die gelben Funken gaben den schwarzen, lachenden Frauenaugen, in denen sie sich widerspiegelten, ein wildes, phantastisches Gepräge.
„Ah, wie wunderbar! Noch einmal, noch mal, Schatz!“ schrie sie lachend.
Opalow wollte das Licht noch einmal andrücken, aber Parchomenko riß ihm die Lampe aus der Hand und richtete ihr den grellen, weißen Strahl direkt in die Augen. Sie wurden gelb und durchleuchtend wie bei einer Katze. Das Frauenzimmer kniff zuerst vor Schmerz die Augen zusammen, dann lachte sie. Und doch bemerkten alle die armselige, naive Schminke über den Wimpern und versteckte bemitleidenswerte Fältchen in den Augenwinkeln dieses jungen Weibes, das doch schon am Verwelken war. Sogar Podgurski und Opalow empfanden etwas wie Scham und Mitleid. Parchomenko verwickelte sich mit dem Fuß, scheinbar zufällig, in ihren Spitzenüberwurf, der auf dem Boden lag, zog den Fuß an und riß ihn entzwei.
„Um Gottes willen, was machen Sie!“ rief das Weib; Mishujew hörte den demütigen Schreck in ihrer Stimme.
Parchomenko tat, als wäre er beinahe gefallen und zerriß die Spitzen, jetzt schon offenbar absichtlich, noch weiter, sodaß ihr rundes Bein im engen, schwarzen Strumpf sichtbar wurde. Sein Gesicht mit dem schwarzen Schnurrbart zog sich in einer grausamen Bewegung zusammen; seine Mienen bekamen einen katzenartigen Ausdruck.
„Aber halten Sie doch!“ rief das Weib wieder; in ihren untermalten Augen zuckte erschrockene Wut.
Opalow hatte ein peinliches Gefühl und trat neben beiden mit unnatürlichem, unsicherem Lächeln auf seinem eigenartigen, japanischen Puppengesicht von einem Fuß auf den andern. Podgurski schien dem Vorgang ganz gleichgültig zuzusehen, aber gerade in dem Augenblick, als sich Mishujew mit Widerwillen einmischen wollte, sagte er plötzlich:
„Pawel Alexejewitsch ... lassen Sie das gefälligst!“ Parchomenko zitterte förmlich vor Entzücken. Er tat, als wollte er das Kleid ordnen und knetete in Wirklichkeit mit verschwitzten Händen ihre runden Knie, wobei er das Spitzenwerk so hoch raffte, daß ein Streifen ihres nackten, rosigen Körpers zum Vorschein kam ... Das Weib riß sich los und lachte hysterisch. Aber durch das Lachen klangen einfache, naive Tränen. Ihr schönes, teures Kleid tat ihr leid.
„Lassen Sie das, was tun Sie denn!“ wiederholte Podgurski.
„Lassen Sie sie in Ruhe, Pawel Alexejewitsch,“ unterstützte ihn Mishujew.