Einige Tage vorher hatte sich der General ein Herz gefaßt und ihn um seine Hilfe gebeten, damit er das Mädchen auf die Universität nach Moskau schicken könne. Fjodor Iwanowitsch hatte es versprochen. Anfangs freute es ihn sogar; ihm schien es ganz reizend, dem niedlichen Mädchen zu helfen; bald aber entstand wieder in dem Tumult seiner Seele ein krankhafter Verdacht: vielleicht bot der General ihm, dem Millionär, seine Tochter an, und gewiß war es undenkbar, daß sie davon nichts wissen sollte. Mishujew sah klar vor Augen, wie er dann dem Mädchen in Moskau begegnen würde, und wie sie beide vom ersten Moment an zwischen sich besondere Beziehungen fühlten: sie ist durch seine Wohltat gebunden und er der, welcher auf Dankbarkeit rechnet. Nach kurzem Kampf und Tränen wird sie gewiß das Erlebnis als unvermeidlich hinnehmen und die Geliebte des Millionärs werden. Eigenartig und beißend wird im Anfang der Genuß ihrer Schamhaftigkeit und des jungfräulichen Körpers sein; dann wird sie fesche Kleider anziehen und zur gewöhnlichen Maitresse werden.
So unvermeidlich, so einfach das war; es machte auf Mishujew einen furchtbaren Eindruck.
Aber weshalb? fragte er sich: vielleicht wird es gar nicht dazu kommen, vielleicht werden wir Freunde bleiben oder sie gewinnt mich wirklich lieb und an ihrem unberührten Leben wird auch das meine frisch und gesund? ... Warum erwarte ich nur Gemeinheit, — es gibt doch noch andere Lebensmöglichkeiten ... Menschen leben glücklich und ehrlich ... warum ich nur ... Oder trage ich einen besonderen Krankheitskeim in mir. Alles, was ich nur berühre, muß zu Schmutz und Moder werden? Wie ein Alpdruck! Ich bin krank und töte mich selbst durch solche widerwärtigen Halluzinationen ...
Das Gesicht Mishujews verzerrte sich, als würde sein Herz von einem Messer durchschnitten; mit einem Male wurde es ihm bange, noch weiter inmitten dieser aufregend dummen Menge zu bleiben. Er ging aus dem Garten, trat in ein kleines Restaurant über dem Meer und setzte sich allein an ein Tischchen auf der Veranda.
„Fjodor Iwanowitsch! Warum sitzen Sie so allein?“ rief jemand vom Kai herauf, und der dicke, freche, unsaubere Podgurski kam mit glänzenden, hungrigen Augen und der hervorstechenden Leinwandweste auf ihn zu.
„Guten Tag ... Sie langweilen sich wohl?“
Er setzte sich neben ihn und fragte:
„Na also, Fjodor Iwanowitsch, was wollen wir trinken?“
Mishujew lächelte. In der Gegenwart dieses unglücklichen, frechen Burschen fühlte er sich aus irgend einem Grunde freier. Zu einfach sah bei Podgurski der gefräßige Wunsch zum Buschkleppen hervor. Er lag ganz natürlich und offen in ihm. Aber trotzdem konnte man herausmerken, daß gerade seine Beziehungen zu Mishujew nicht davon abhingen, ob dieser Geld geben würde oder nicht.
Podgurski sah sofort, daß sich Mishujew langweile, und in seinem Gesicht spiegelte sich der treuherzige Wunsch wider, ihn aufzuheitern, damit es überhaupt um ihn fröhlicher würde.