„Etwas Anormales ist doch bei all dem,“ fuhr Mishujew mit trauriger, krankhafter Miene fort. „Warum betrachten Sie einen Tschetyrjow z. B., der hundertmal so viel verdient wie Sie, ganz gleichgültig, während ...“

„Hm, Tschetyrjow ...“ erwiderte Podgurski, „wieviel der auch verdient, er verdient alles durch seinen eigenen Buckel. Solange die Kräfte reichen, arbeitet er, wird er krank, kommt er aus der Mode, wird aus ihm dasselbe, was mit mir geworden ist ... Und was für einen Verdienst hat er schon ... Sein Leben unterscheidet sich nur sehr wenig von meinem. Aber ein Millionär — das ist etwas ganz anderes. Eine andere Lebenshaltung, andere Möglichkeiten ... Seine Stellung ist schon ganz Besonderes und auch alle Beziehungen zu ihm — einfach Ausnahmebeziehungen. Im Grunde begreife ich nicht, was Sie so quält?“

„Nicht gerade quält, nur ... aufregt,“ erwiderte Mishujew. Mit einem Mal empfand er unangenehm, daß seine Herzensergießung einen zu ernsten Charakter angenommen hatte; er schämte sich, Podgurski gegenüber so offen zu sein.

Podgurski schwieg still und wartete interessiert.

„Mich regt diese Sonderstellung meiner Person in der Gesellschaft auf,“ fuhr Mishujew gegen seinen Willen fort; er konnte dem erwartungsvollen Schweigen Podgurskis nicht widerstehen. „Kann man denn wirklich nicht zugeben, daß ich ganz ebensolch ein Mensch bin, wie alle anderen, daß ich ebenso denke, ebenso fühle ...“

„Ich meine es anders,“ lächelte Podgurski, „wie Sie wollen, aber Geld ist eine große Macht. Und Sie können es auch gar nicht unausgenützt lassen; jeder lebt eben davon, was er hat. In Fällen, wo wir anderen nur mit unserem Ich rechnen, mit seinen guten oder schlechten Eigenschaften, führen Sie unwillkürlich Ihr Geld ins Feld ... das weiß jeder Mensch. Was uns betrifft z. B. ... Ich spucke darauf, aber dennoch fühle ich, daß Sie nicht ich, nicht Opalow, nicht Tschetyrjow sind ... Vielleicht tun Sie mir nichts, nicht Böses noch Gutes, aber doch Sie können es tun. Und ... weiß es der Teufel! Das stört ganz entschieden. Ich habe es soeben erst gesagt, ich möchte auf Ihre Millionen am liebsten spucken, und doch aufrichtig, ich habe mich gleich dabei im Ton vergriffen ...“ Podgurski lächelte treuherzig und machte eine schicksalsergebene Bewegung mit den Händen.

Mishujew nickte ihm zu. Er blickte ihn jetzt gerade an und schien mit Spannung auf etwas zu warten.

„Was Sie auch wollen,“ sprach Podgurski fast verdrießlich weiter. „Ich kann doch nicht vergessen, daß Sie Millionär sind, daß Sie von Genüssen und Möglichkeiten leben und lebten, die ich nicht im Traum gesehen habe; daß Sie mir auf den Tisch tausend Rubel legen könnten. Sie können es aber auch nicht tun und können mir im Gegenteil irgend etwas einbrocken. Nehmen wir bloß Parchomenko ...“

„Ich spreche doch nicht von Parchomenko!“ versetzte Mishujew mit einer Betonung, die ihn von diesem Namen scharf trennen sollte.

„Aber für uns sind Sie beide ganz egal!“ rief Podgurski mit treuherzigem, überzeugendem Eifer. „Wir wissen doch nicht, wie Sie denken, wie Sie fühlen!“