Maria Sergejewna trat vorsichtig näher und berührte wieder seine Hand.
„Bist du mir böse?“ Aus dem Ton klang klar heraus, daß sie seinen Zorn voraussah und nun bemüht war, sich naiv zu zeigen.
Toll vor Wut erhob sich plötzlich Mishujew und schleuderte sie schweigend von sich. Maria Sergejewna fiel beinahe über ein Fauteuil; doch krallte sie sich fest und geschmeidig, wie eine fallende Katze ausgereckt, noch rechtzeitig in die Armlehne.
„Was hast du? ...“ begann sie mit blassen Lippen.
„Erkläre mir gefälligst,“ Mishujew sprach mit unheimlich zurückhaltender Stimme, während er sie mit kühlem Haß betrachtete. „Meinst du im Ernst, daß es für mich möglich ist, darüber nicht zu zürnen? ... Wozu heuchelst du?“
„Aber was habe ich denn Schlimmes getan?“ stammelte, jetzt in aufrichtiger Hilflosigkeit, Maria Sergejewna.
„Was? Hier, —“ Mishujew schwieg eine Weile still und suchte nach dem passenden Wort, in dem schmerzlichen Gefühl, daß er das Richtige nicht finden würde und ein anderes nehmen müßte: „Hier hast du es: eins von beiden, entweder du gestehst mir offen, daß ich für dich nichts bin, daß du zu mir nur als Maitresse kamst, während du ... oder ...“
Mishujew sprach nicht zu Ende. Plötzlich tat er sich selbst leid: er hatte diese Frau so innig geliebt, er opferte ihr einen Menschen, der ihm teuer war, handelte gemein und schmutzig, log, betrog, immer in dem Glauben, daß sie dafür ihm wenigstens nahe sein würde. Durch diese unveränderlich wiederkehrenden Begegnungen mit ihrem Mann war es schon oft zu qualvollen, erniedrigenden Eifersuchtsszenen gekommen. Er hatte ihr einmal sogar gestanden, daß ihn der Gedanke folterte, sie habe ihm nur seines Geldes wegen nachgegeben ... Jetzt sah er mit einem Mal, daß dem wirklich so war: sie hatte ihn nicht geliebt, sie liebte den andern, sie ist bereit, sich ihm wieder hinzugeben; ihn, Mishujew, belügt und betrügt sie, wie einen Narren, aus lauter Furcht. Er fühlte sich lächerlich; in einer dummen und erbärmlichen Situation.
„So würde nicht die niedrigste Dirne handeln!“
In diesen Worten klang ein ganzer Schwall toller, grober Worte zusammen. Ihn packte ein unbändiges Verlangen: sie zu schlagen, sie irgendwie bis zum äußersten brutal zu behandeln, um ihr zu zeigen, daß sie, da sie nun einmal des Geldes wegen zu ihm gekommen war, auch sein Eigentum geworden ist, mit dem er ganz nach Gefallen handeln kann.