Aber als er in ihrem Gesicht ohnmächtige, sklavische Furcht erblickte, ergriff ihn plötzlich ein so drückendes, peinigendes Gefühl, daß er sich schwer am Tisch niederließ, mit den Händen an den Kopf faßte und nur noch einen Wunsch hatte, nichts mehr zu hören und zu denken.

Einige Minuten lang dauerte das Schweigen. Mishujew saß immer noch unbeweglich am Tisch, und sein großer Kopf, der hilflos auf den Händen gestützt lag, erschien arm und bemitleidenswert.

Maria Sergejewna stand lange auf einem Fleck und sah ihn schüchtern an. Dann leuchtete mild und rührend weibliches Mitleid in ihren Augen auf. Sie bewegte sich leise, trat schüchtern auf ihn zu, blieb stehen; Mishujew konnte den schnellen, ungleichmäßigen Schlag ihres Herzens hören.

Zarte, warme Finger berührten leise wie ein Atemzug seine Haare.

IX

Ähnliche Szenen hatte es auch früher schon mehr als einmal gegeben, aber in ihrer Wiederholung wuchsen sie unheimlich an. Jede neue wurde immer sinnloser und abstoßender als die vorhergehende. Maria Sergejewna konnte es nicht verstehen: manchmal erschien ihr Mishujew wie wahnsinnig, manchmal aber warf sie sich mit brennender Reue allerhand Verbrechen, die sie niemals in ruhigem Zustand anerkannt hätte, vor. Sie sah, daß irgend ein unabwendbares Unglück an sie heranrückte, wußte aber nicht, wie sie den Alb überwinden sollte und litt ohnmächtig und jammervoll unter ihm.

Am allerentsetzlichsten war der Verlust an Selbstachtung und der Schmutz, den diese widerwärtigen Szenen hervorriefen. Sie erniedrigten sie und brachten sie in eine gewisse Abhängigkeit von ihrer Umgebung, selbst von den Dienstboten. Von allen Seiten sahen Augen und lauschten Ohren neugieriger, fremder Menschen, denen es gleich war, ob sie litten oder Dummheiten trieben, für die aber das Ganze ein amüsantes Schauspiel war. Sie mußten ihre Stimmen dämpfen, rasch die ätzenden Tränen verbergen, den schmerzverzogenen Gesichtern unwahre Mienen aufzwingen und sich unglücklicher als der elendeste Knecht fühlen.