In den letzten Tagen pflegten solche Szenen nur noch mit hysterischen Anfällen und völliger Erschöpfung zu enden. Es schien, daß sie von Zeit zu Zeit alles Schöne und Kultivierte verließ; in wilder Wut schlugen sich zwei Halbverrückte herum, die selbst nicht mehr wußten, was und wozu sie einander ins Gesicht schrien, und die nur darüber nachdachten, wie einer den anderen schmerzhaft zu kränken und zu verletzen vermöchte.

Mitunter überkam sie völlige Verzweiflung, und sie wünschten ein Ende, nur ein Ende zu machen. Aber in dem Augenblick, wenn Schmerz und Wut bis zum äußersten angeschwollen waren, fielen sie plötzlich zusammen, die Nerven gaben nach, es gab Tränen, gegenseitige Nachgiebigkeit, dann eine krankhafte, unerwartete Erregung, die sie beide in einem brennenden, wollüstigen Anfall zueinander trieb. Es kam ihnen wieder zum Bewußtsein, wie unsinnig das Vorgefallene war, und gleichzeitig überfiel sie hoffnungslose, qualvolle Reue.

„Wir sind verrückt!“ sagte Maria Sergejewna verzweifelt und schmiegte sich weinend an Mishujew, als suchte sie bei ihm Schutz. Er litt es schweigend; vor seinen Augen sah er den schwarzen Abgrund des unvermeidlichen Endes.

In derselben Weise war der heftige Auftritt auch an diesem Tage verlaufen.

Maria Sergejewna lag, todmüde, weich und erhitzt, mit tränennassem Gesicht und dunkelgewordenen Augen neben ihm. Das noch nicht befriedigte Verlangen zog sie mit krankhaft verstärkter Macht zueinander. Da sagte sie leise und treuherzig:

„Ich weiß, daß ich es deiner Ruhe wegen nicht tun sollte ... Aber glaube mir doch! Er tat mir einfach leid; so unglücklich kam er mir vor. Krank! ... Wie man es nehmen will ... Schuld habe ich doch ihm gegenüber! ...“

Und dem ermüdeten, vielleicht auch nach der Aufregung klaren Gehirn Mishujews schien es jetzt in der Tat ganz einfach und natürlich:

... Selbstredend hat sie ihm gegenüber Schuld ... Wie dem auch sei, einst liebte sie ihn doch ...

Alle Verdächtigungen schienen ihm sinnlos, unbegründet, nichts als unerträgliche Launen.

„Verzeihe mir ... ich bin tatsächlich verrückt ...“ stammelte er, voll schmerzlichen Mitleids, voll Liebe, Reue, Selbstverachtung und küßte das nasse, heiße Gesichtchen.