Sie glaubte sofort, daß nunmehr alles in Ordnung sei, — jetzt werden sie sich aussprechen, und vom nächsten Tag an wird alles so glücklich verlaufen wie noch nie zuvor. Sie überstürzte sich fast, um ihm alles zu sagen:
„Ich weiß, du meinst, ich hätte dich nicht lieb und wäre nur deines Geldes wegen zu dir gekommen ... Vielleicht hast du Grund, so zu denken ... Ich bin ein dummes, garstiges Ding, aber es ist doch nicht so: wirklich, ich liebe dich mehr als mein Leben! ... Du hast mir schon immer gefallen, schon lange ... Du bist so ... so groß, so stark, so feinfühlig! ...“
Im Zimmer war es finster, und Maria Sergejewnas Gesicht schimmerte trübe, weiß auf dem dunklen Divankissen. Ihre Augen taten sich weit wie zwei Abgründe auf. Ihre Stimme klang zart und abgebrochen, wie die eines gekränkten Kindes.
„Ich war immer froh, daß du dir deiner Macht bewußt bist und daß sich alle dir unterwerfen. Natürlich machte es mir auch Vergnügen, daß du für mich soviel hinauswerfen kannst, wie ich gar nicht wert bin ... Aber reiche Menschen gab es doch so viel! Wenn ich nur wollte ... Aber du bist größer, stärker als sie alle! ... Wir Frauen lieben im Manne die Kraft und die Macht ...“
Mit Tränen der Zärtlichkeit und der Rührung küßte sie Mishujew; unter ihren stillen, verliebten Worten war es um sie wohlig und glückverheißend geworden. Sie flüsterte eilig und treuherzig, sie glühte am ganzen Körper, sie war unterwürfig und hingebend! Ihm kam das stolze Bewußtsein seiner Kraft, das Bewußtsein, daß sie ihn liebt und sich ihm wie ihrer Sonne, für die allein sie existiert, hingibt.
„Ich bin ein dummes Ding, ich kann es nicht erklären,“ flüsterte leise Maria Sergejewna, „ich hatte ein so eintöniges, langweiliges Leben ... es schien, als ob alles schon vorbei wäre und mir nichts mehr bevorstände ... Da brachtest du etwas Kraftvolles hinein, ich war wie wahnsinnig vor Glück geworden! ... Ich träumte von dir, lief dir wie ein Backfisch nach.“
„Aber doch habe nicht ich es gebracht ...“ bemerkte Mishujew mit dem unbewußten Wunsch, noch weiter in sie zu dringen; seine Stimme erzitterte im voraus in leichter Angst.
„Nein — du! Du ... So wie du bist: groß, stark, mächtig wie ein König! Aber das ist nicht das Wichtigste: wärest du arm, so hätte ich mich dir ganz ebenso hingegeben ... Du bist mein Alles!“ Maria Sergejewna schmiegte ihren Körper mit rührender Schamhaftigkeit und doch schamlos an den seinen.
Sie flüsterte noch etwas, während sie unter seiner Liebkosung wie eine Blume aufblühte; Mishujew schien sein früheres Mißtrauen immer unbegründeter.
— Ich bin einfach nur ein Despot! dachte er.