Maria Sergejewna stand in der Mitte ihres Badezimmers, in dessen weißen und grauen Fliesen sich das elektrische Licht brach und spiegelte, und ein kräftiges Kammermädchen rieb sie stark und geschickt mit einem nassen Schwamm ab. Der nackte, feuchte Körper glänzte in dem Licht, und bei jeder Anstrengung des Mädchens gab das schlanke, elastische Figürchen Maria Sergejewnas langsam nach und richtete sich wieder auf. Die abgerundeten Brüste zitterten und schwankten, ihr stolzes Köpfchen richtete sich bald auf, bald sank es mit der schweren, auf den Rücken herabhängenden Frisur nieder, und man konnte glauben, daß das nackte Weib nur von süßer, physischer Lust bewegt wird.
In Wirklichkeit faßte ihr kleines, in einem Klümpchen zusammengezogenes Herz soviel Trauer, Kummer und qualvolle Ratlosigkeit, daß ihr schien, als müßte sie sterben.
„Vielleicht ist es zu kalt, gnädige Frau?“ fragte die Zofe, sobald sie bemerkte, daß die abfallenden Schultern Maria Sergejewnas leise erschauerten.
„Was?“ Maria Sergejewna erschrak und sah die Zofe mit weit geöffneten, traurigen Augen an.
„Ist das Wasser nicht zu kalt, gnädige Frau?“ wiederholte das Mädchen.
„Nein, ... es geht ...“
Die Zofe tauchte den Schwamm in lauwarmes Wasser und fing wieder, während sie an etwas anderes dachte, an, Maria Sergejewna geschickt und gleichgültig den Rücken zu reiben.
Es peinigte Maria Sergejewna; es war ihr unerträglich, nackt dazustehen und sich waschen zu lassen, während ihr das Herz in Stücke brach. Sie wollte allein bleiben, sich ins Bett werfen und den Kopf in die Kissen pressen. Sich niederlegen und absterben, für immer, nichts sehen, nichts hören, nichts fühlen.
Aber die dressierte, gleichgültige Dienerschaft, die nur zu Aristokraten in Dienst tritt, und vor der sich Maria Sergejewna immer noch fürchtete, wie arme, einfache Menschen stets aristokratische Dienstboten scheuen, war im Hause und umgab sie vom frühen Morgen an mit neugierig-kalten, fast nachstellenden Augen. Sie wünschte, daß das, was am Tage zuvor geschehen war, verborgen bliebe, es sollte niemand erfahren, daß sie verlassen wurde, daß sie nur eine Maitresse ist, die man ins Gesicht schlägt, daß man sie wie das niedrigste Frauenzimmer durch den Schmutz schleifen konnte.
Von dem Augenblick an, da Mishujew, der nach einer schweren und hoffnungslosen Auseinandersetzung begriff, daß sie das Band zwischen sich zerrissen hatten, abgereist war, sorgte sich Maria Sergejewna mit allen Kräften, daß niemand etwas von dem Vorgefallenen erfahre. Am Dampfer bemühte sie sich, vergnügt auszusehen und zu lächeln; als sie ihre unermeßliche Qual im Herzen nach Hause trug, zwang sie sich, vor dem Diener die Herrin zu spielen; zu Hause strengte sie sich an, alles wie gewöhnlich zu tun, sie fühlte sich als Sklavin dieser gemieteten Leute, die sie nichts angingen.