Als ihr die Zofe höflich meldete, daß das Bad bereit sei, ging sie sofort ins Badezimmer, kleidete sich aus und gab sich, nackt und unglücklich, den unnötigen, schmerzlichen Bemühungen des Mädchens hin.

Schmerzlich zog sich das Herz der kleinen, nackten Frau, die, umgeben von Licht und Wärme, von sanftem Wasser und warmer, dampf- und parfumgesättigter Luft geliebkost, dastand, zusammen. Ein schweres Gefühl der Einsamkeit lag in dem gehätschelten Körper. Ihr schien, daß man sie verspottete.

„Genug, Klawdia, schon gut ...“ sagte sie mit Überwindung; sie fühlte, daß sie im nächsten Augenblick zusammenbrechen müßte.

„Aber die Dusche, gnädige Frau?“ meinte höflich die Zofe, und ohne die Antwort abzuwarten ging sie zu dem emaillierten Hahn, öffnete ihn und fing sorgfältig an, den warmen Regen, der von oben herabfiel, mit der Hand zu prüfen.

Maria Sergejewna, der die Tränen in die Augen kamen, stellte sich unter die Dusche.

Erst als die Zofe ihr einen trockenen, weichen Mantel umhing und sie im Schlafzimmer allein ließ, stürzte sie händeringend mit dem Gesicht auf die Kissen.

Die lange zurückgehaltenen Tränen brachen in einer heißen Welle hervor; sie weinte wie ein Kind, hilflos und still.

Ihr ganzes Leben ging an ihr vorüber, alle Leiden der Vergangenheit und die finstere Zukunft, die grausame Täuschung und das Bewußtsein eines entsetzlichen, nie wieder gutzumachenden Irrtums.

Seitdem sich ihr Leben von Grund auf geändert hatte, und die Gattin eines stillen und zärtlichen Mannes, eine Frau mit einer kleinen, doch sonnigen und einfachen Welt, verschwunden war, um einer unruhig schönen Frau, die in Spitzen, Seide, Diamanten, Prunk und Bequemlichkeit schwelgte, zu weichen, seit diesem Augenblick dachte Maria Sergejewna kein einziges Mal an ihr früheres Leben. Das war etwas Lichtes, Liebes, an dessen Verlust sie sich nicht ohne Schmerz erinnern konnte; der Schmerz aber würde sie endgültig der letzten Rechtfertigung für ihre Handlungsweise beraubt haben.

Es war eine furchtbare Tragödie gewesen, als ihr verlassener Mann, der ihr einst unendlich teuer war, in den letzten Minuten fast an Tränen erstickte und nur noch das eine stammeln konnte: „Mütterchen, Mütterchen ... willst du denn wirklich deinen Jungen verlassen! ... Was werde ich ohne dich tun!“ Ein schwerer chaotischer Kampf zerriß sie, ohne daß sie ihn fassen konnte. Das Herz zerbrach vor Mitleid mit dem weinenden erwachsenen Mann, der hilflos und nutzlos naive Worte wiederholte, die sie noch vor kurzem bis zu Tränen gerührt hätten. Als er schluchzend ausrief: „Was werde ich nur allein tun!“ — erinnerte sie sich plötzlich, daß sie sich ihn früher ohne ihre Zärtlichkeit und Pflege gar nicht vorstellen konnte. Im Augenblick sah sie seine Einsamkeit, seine Trauer, seine Armut, während sie Luxus, Pracht und Glück genießen soll. Und eine Minute lang kam ihr ihr Entschluß wie ein Wahnsinn vor.