„Oh, es freut mich sehr,“ sagte sie mit klangvoller Stimme und streckte ihm ihren weißen üppigen Arm, der bis an die Ellenbogen entblößt war, entgegen.
Dann stellte sie ihn ihren Gästen vor. Es waren viele, aber alle zeigten Mishujew nur ein Gesicht: übertrieben freundlich, mit Zähnen, die durch ihr Lächeln frei wurden und versteckter Neugierde in den Augen. Das war eben jenes Gesicht, das Mishujew sein ganzes Leben lang verfolgte und das er haßte. Diesmal aber war er von dem Wiedersehen mit Nikolajew so freudig erregt, daß er gar nicht darauf achtete.
„Nun, Herrschaften,“ sagte Nikolajew, mitten im Saal stehen bleibend. „Ihr mögt hier jetzt singen, schreien, tanzen, was Ihr wollt ... und wir beide, er und ich, werden ein wenig plaudern gehen. Lydia, dürfen wir?“
„Ach, mein Gott, gewiß doch!“ Die Frau hob gleichzeitig mit ihren grauen Augen in ausgesucht schöner Pose beide Arme in die Höhe. „Gehen Sie, gehen Sie, ich lasse Ihnen Tee bringen.“
In Nikolajews Arbeitszimmer setzte sich Mishujew auf einen breiten türkischen Diwan und sah sich freudig im ganzen Zimmer um. Es war noch das alte: dieselben Bücher, Papiere, in Haufen überall aufgestapelt, auf dem Boden, in den Schränken, auf dem Tisch, den man unter ihnen gar nicht mehr sehen konnte. Und außer dem ledernen Diwan sprach nichts von Komfort, der gerade im Arbeitszimmer eines berühmten Schriftstellers so angebracht gewesen wäre. Mishujew erinnerte sich, daß dieselbe Unordnung und Bummelei auch im Zimmer des allen unbekannten Studenten Nikolajew geherrscht hatte. Auch Nikolajew selbst war ganz der frühere geblieben, nur war er etwas dicker geworden.
Das Gespräch setzte so einfach und vom ersten Satze interessant ein, wie alles, was Nikolajew anfing. Und als Mishujew fünf Minuten auf dem Divan gesessen hatte, und dem durch das Zimmer schreitenden Nikolajew zärtlich mit den Augen gefolgt war, da wußte der bereits alles: den Bruch mit Maria Sergejewna wie den Zusammenstoß mit dem Bruder, die Reisen ins Ausland mit ihren Hotels, Theatern und Museen, und die dumpfe, tote Herzensangst, unter der Mishujew schon so lange litt.
„Ich verstehe dich nicht,“ Nikolajew sprach zornig und gleichzeitig liebevoll, während er mit breiten Schritten aus einer Zimmerecke in die andere ging, „dasselbe erlebe ich auch ... Die Zeit ist schon längst vorüber, in der Menschen ganz einfach zu mir kamen, nur weil ihnen das gefiel, was ich tat und sprach. Jetzt wird jeder, der an mich herantritt, im voraus von der Ehrfurcht und Achtung zu dem berühmten Dichter erfüllt! Na, meinetwegen, das ist manchmal sogar angenehm. Es ist eben ein Gesetz der menschlichen Natur — der Mensch ist seiner Natur nach ein Sklave, aber es werden sich noch immer Menschen finden, die zu dir einfach mit offenem Herzen kommen.“
„Bei dir ist es etwas anderes,“ erwiderte Mishujew ein wenig traurig, „du bist berühmt, aber du bist vor allen Dingen ein Dichter, das heißt ein Mensch, der die Menschen nur durch die Kraft seiner eigenen Seele bezwingt und an sich lockt. Wenn ich wüßte, daß es in Rußland so viele Jünglinge gibt, die es für ein besonderes Glück halten, gar nicht mal mit mir zu sprechen, sondern mich allein nur sehen, mir scheint, ich wäre ganz hingerissen von dieser jungen Welle. Dann würde ich vielleicht glücklich sein ...“
„Dafür gibt es viele Menschen, denen du hilfst ...“
„Das ist nicht das richtige!“ Mishujew schüttelte den schweren Kopf, „ich schaffe doch nicht selbst dieses Geld, am Ende gehört es ihnen doch, und dann — — ich weiß: Auch die, denen ich wenig Geld gebe, hassen mich, und die, die viel bekommen, sind böse, daß es nicht mehr ist; im Grunde sehen alle nur mit versteckter Feindseligkeit das Gute an, das ich mir selbst durch mein Geld verschaffen kann. Ihnen kommt es vor, als stehle, als vergeude ich ihr Gut, ihr Glück ...“