„Das ist nun einmal mein Leben. Ich habe sogar das Lachen verlernt.“
In seiner Stimme lag eine so bittere Nuance, daß die Mädchen unwillkürlich stille wurden.
Auch Jurii schwieg; dann lächelte er: „Ein Freund von mir sagte einmal, daß mein Leben sehr erstaunlich sei.“
„In welchem Sinne?“
„Ich lebe, wie man nicht leben soll,“ antwortete er bestimmt, ohne daß er zuvor von einem Menschen derartiges gehört hätte.
Jurii hielt sein ganzes Leben für mißraten und sich selbst für einen außerordentlich unglücklichen Menschen. Darin verbarg sich für ihn eine traurige Genugtuung, und es machte ihm Vergnügen, sich über sein Leben und die Menschen zu beklagen. Zu Männern sprach er niemals davon, weil er instinktiv fühlte, daß sie ihm nicht glauben würden. Aber Frauen und besonders jungen und schönen Mädchen erzählte er gern und lange von sich. Er war hübsch und sprach schön, und die Frauen hatten mit ihm stets das Mitleid, das mit Verliebtheit durchsetzt ist.
Auch diesmal, im Scherz begonnen, ging Jurii leicht in den gewohnten, sentimentalen Ton über und redete viel über sein Leben. Nach seinen Worten mußte man glauben, daß er, ein Mensch von ungeheurer Kraft und bedeutender Veranlagung, an dem Milieu und den Umständen zerbrochen war und daß man ihn auch in der Partei nicht verstanden hatte. Wenn aus ihm nicht ein Volksführer, sondern ein Student wurde, der aus irgend einem nichtigen Anlaß verschickt worden war, so trug daran nur eine fatale Zufälligkeit und menschliche Dummheit, nicht er selber, die Schuld.
Jurii kam, wie allen Menschen mit großer Eigenliebe, niemals der Gedanke in den Kopf, daß diese Auffassung keineswegs außerordentliche Kraft beweise und daß jeder geniale Mensch von gleichen Zufälligkeiten und Personen umgeben ist. Ihm schien, daß nur ihn allein ein schweres, unüberwindliches Schicksal verfolge.
Doch da alles, was er erzählte, voller Farben und Leben war, machte es auf die Mädchen den Eindruck, als ob es wirklich der Wahrheit ähnlich sei. Sie glaubten seinen Worten, bemitleideten ihn und wurden mit ihm traurig.
Die Musik spielte ebenso ungleichmäßig und sentimental wie vorher, der Abend war finster und nachdenklich, und ihnen allen wurde es träumerisch befangen zumute.