Als Jurii schwieg, richtete Dubowa eine Frage an ihn, die eigentlich nur den eigenen Gedanken, wie langweilig und eintönig ihr Leben sei, und wie bald sie alt würde, ohne Liebe und Glück gekostet zu haben, beantwortete.
„Sagen Sie, Jurii Nikolajewitsch, ist Ihnen niemals der Gedanke an Selbstmord gekommen?“
„Weshalb fragen Sie mich danach?“
„So!“
Alle schwiegen. Jurii vergaß die Antwort.
„Sie waren also im Komitee?“[1] fragte Karssawina voller Neugierde.
„Ja,“ antwortete Jurii kurz und wie gezwungen; das Eingeständnis war ihm aber doch angenehm, weil er glaubte, daß es ihm in den Augen des hübschen Mädchens ein neues, geheimnisvolles Interesse verleihen würde.
Und der Eindruck, den diese kurze Bejahung auf Karssawina und Dubowa machte, war so stark, daß sie beide in Schweigen verfielen und nur hin und wieder einen fast ehrerbietigen Blick über Jurii streifen ließen. Er fühlte sich von dieser guten Stimmung zärtlich geliebkost; um sie nicht zu stören, vermied er jede Bewegung und saß andächtig neben den Mädchen. Die Luft um sie wurde von der Sehnsucht, die sich aus ihnen allen drängte, durchsättigt und schien sich schwerer um sie zu legen, in leise Kreise getrieben, von den fern herüberschallenden Melodien. Endlich erhob sich Karssawina, sah mit freudig glänzenden Augen, in denen sie mühsam ihre unbewußte Erregung zurückhielt, auf Jurii und Dubowa und rief ihnen zu: „Gehen wir, Herrschaften, gehen wir doch, es wird spät. Wir verbummeln uns ja hier.“ Und wieder glücklich lachend, fügte sie hinzu: „Jurii Nikolajewitsch, diesmal aber sind Sie Schuld!“
Jurii neigte fröhlich den Kopf, trat an ihre Seite und wartete, indem er ebenfalls ohne Grund in ihr leises freies Lachen einstimmte, auf Dubowa, die etwas schwerfälliger aufstand und erst die Bücher in ihrem Arm zurechtschob, ehe sie sich ihnen anschloß.
Jurii begleitete die Mädchen nach Haus. Unterwegs sprachen sie lebhaft und lachten viel; die traurige Stimmung war verflogen.